Wie üben (Teil I)

10. März 2021

Lesezeit: 4 Minute(n)

Wie üben (Teil I)

Was passiert beim Üben?

Untersuchungen mittels Kernspintomografie haben gezeigt, dass es bereits nach wenigen Minuten intensiven Übens zu einer vermehrten Aktivität im Stirn- und Schläfenlappen kommt. Nach etwa einer halben Stunde vergrößern sich die aktivierten Gehirnregionen in Form von neuronalen Netzwerken. Für jede neu gelernte Bewegung erstellt das Gehirn sozusagen einen „Schaltplan“ auf den das Nervensystem beim Musizieren immer wieder zurückgreift. Am Anfang entsteht zuerst noch ein unkoordinierter Entwurf der Bewegungen, der im Laufe des Übens mit Hilfe von Wiederholung und Verbesserung ökonomisiert wird.

Durch das kontinuierliche Üben nimmt also die Gehirnplastizität zu – jedoch lösen sich die neu gegründeten Areale ca. nach einer Woche wieder auf, wenn sie nicht regelmäßig aktiviert und benötigt werden. Daraus folgt: Tägliches Üben entspricht dem täglichen Frühstück – die Regelmäßigkeit ist der Schlüssel zum persönlichen Erfolg und zu einem gesunden Start in den Tag!

Üben und lernen ist kein linearer Prozess. Er verläuft in Stufen und es kommt regelmäßig vor, dass man länger auf einem so genannten Lernplateau verharrt als einem lieb ist. Dafür gibt es nur ein Rezept:

 

Bleib locker, setz dich nicht selber unter Druck und freu dich darüber Musik zu machen!

WIE Sitzen?

Aufgrund von Größe und Gewicht des Akkordeons ist eine richtige Sitzhaltung sehr wichtig, um unser Instrument optimal bedienen zu können. Bei einer falschen Sitzhaltung arbeitet man gegen den eigenen Körper an, was sich meist in Schmerzen im Rücken- und Schulterbereich ausdrückt. Auf meine Frage an Schüler, welches Körperteil eigentlich das Gewicht des Akkordeons trägt, erhalte ich meistens „die Schultern“ als falsche Antwort. Die richtige Antwort wäre der linke Oberschenkel.

Die Mitte des Akkordeons (also der Balg) soll auf dem linken Bein aufsitzen und die rechte untere Ecke soll die rechte Oberschenkel-Innenseite berühren. Diese stabilisiert das Akkordeon beim Zusammendrücken. Die Hauptlast trägt sozusagen der linke Oberschenkel. Weil das Akkordeon auf der linken Seite aufsitzt, muss dadurch der rechte Gurt meistens länger gemacht werden. Die Gurte dienen nur der zusätzlichen Stabilisierung und sollen nicht zu eng „angeschnallt“ sein.

Achte vor jedem Spielen darauf, dass dein Instrument ausbalanciert ist – es sollte freihändig auf dem Oberschenkel aufsitzen können. Stelle auch hin und wieder deine Gurtlängen in Frage (z.B. im Winter, beim Tragen eines dicken Pullovers).

Vorwort

Lehrer: „Das musst du daheim noch gut üben!“

Schüler: „Mhm.“ (wie eigentlich genau?)

An diesen Ratschlag, an mich als jungen Musikschüler gerichtet, kann ich mich noch sehr gut erinnern. Über zwanzig Jahre später – nun selbst Akkordeonpädagoge – ertappe ich mich oft selber bei dieser gut gemeinten Floskel. Aber wie geht „gut üben“ eigentlich?

In meiner Tätigkeit als Musikschullehrer versuche ich tagtäglich, dieser Frage mit meinen Schülern auf den Grund zu gehen. Bei einem Musikworkshop mit Erwachsenen wurde mir bewusst, dass viele der Hobbymusiker kein wirkliches Übe-Konzept hatten und dankbar über jeden Tipp der Referenten waren. Aus dieser Idee heraus habe ich über mehrere Monate meine eigenen Übe-Konzepte für meine Schüler beobachtet, reflektiert und verbessert. Entstanden ist daraus ein kleines Handbuch, das sich vorwiegend an erwachsene Akkordeonspieler richtet, aber größtenteils auch von anderen Instrumentengruppen verwendet werden kann.

Dieser Leitfaden ersetzt keinen Akkordeonlehrer! Eine detaillierte und individuelle Rückmeldung von außen ist genauso wichtig wie das eigene Üben zu Hause und kann zusätzlich motivieren, inspirieren und neue Sichtweisen eröffnen. Die Auswahl an den vorgestellten Übungen ist bewusst kompakt gehalten und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich freue mich über jede positive aber auch kritische Rückmeldung! Aufgrund der leichteren Lesbarkeit verwende ich hier meistens die männliche Form und biete dir aufgrund unserer gemeinsamen Liebe zu Musik in weiterer Folge das Du an.

j

Tipp

Der „Bleistift und Radiergummi-Test“

(von Christoph Hofer)

Die Sitzhöhe passt, wenn man einen runden Bleistift auf den rechten Oberschenkel legt und dieser nicht davon rollt. Beim Radiergummi-Test stellt man einen Radiergummi auf die obere Kante des Akkordeons. Bei einer geraden Haltung sollte der Radiergummi nicht umfallen. Bei vielen Akkordeonspielern ist das Instrument meistens nach hinten geneigt, um besser auf die Tasten schauen zu können. Das Runterschauen sollte man grundsätzlich vermeiden. Die Orientierung am rechten Manual wird im Kapitel Technik erklärt.

Der richtige Stuhl 

Eine richtige Sitzhaltung erkennt man daran, wenn die Kniekehlen im 90° -Grad-Winkel sind. Der optimale Stuhl wäre ein Sitzhocker in passender Höhe. Drehstühle, Stühle mit Armlehnen oder mit nach hinten geneigter Sitzfläche sowie Couchsessel sollte man vermeiden. Wenn der Stuhl zu hoch ist (z.B. Barhocker), hängt das Gewicht des Akkordeons an den Schultern, bei einem zu niedrigem Stuhl (z.B. Couch) muss die Lendenwirbelsäule zu sehr dagegen arbeiten.

___STEADY_PAYWALL___

Weitere Beiträge zu diesem Thema…

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.