Podcast: Accordion Talks

19. Mai 2021

Lesezeit: 4 Minute(n)

Podcastreihe mit Gesprächen über das Akkordeon.

Laura Eigbrecht

Tina Feddersen

Mit Accordion Talks starten Laura Eigbrecht und Tina Feddersen eine ­Podcastreihe mit Gesprächen über das Akkordeon.

 

Text: Laura Eigbrecht, Tina Feddersen

Was haben wir es über Kopfsteinpflaster gebuckelt, in Kofferräume gehievt und in obere Etagen geschleppt! Wofür das Ganze? Sobald der Balg geöffnet, die Tastatur gelockert und das Register eingelegt ist, wissen wir, dass es sich gelohnt hat. Das Akkordeon begleitet uns, seit wir Noten lesen können und wächst mit uns mit. Es bleibt geduldig und meist sogar wohlklingend, wenn wir mal einen schlechten Tag haben und öffnet sich kraftvoll wie ein Pfauenrad, wenn wir es ordentlich fordern. Und obwohl unser Instrument uns schon so lange treu zur Seite steht und uns überallhin begleitet, haben wir uns in all der Zeit nie wirklich mit seinen Wegen beschäftigt. Wo kommt es her? Und wo auf der Welt kennt man seine Klänge?

Diese Fragen wurden für uns der Anfang einer spannenden Recherchereise, die hoffentlich nie enden wird. Kaum hatten wir sie gestellt, bemerkten wir schnell, dass die Geschichten über das und mit dem Instrument so mannigfaltig und spannend sind, dass wir sie teilen wollten. So entstand die Idee zu Accordion Talks, einem Podcast, der sich unserem Musikinstrument widmet – und all denen, die es spielen, darüber nachdenken, schreiben und damit arbeiten. Als Dompteurinnen in unserer Podcastmanege stehen wir selbst: Laura Eigbrecht und Tina Feddersen, beide Journalistinnen und begeisterte Hobbyakkordeonistinnen.

Ein Wink des Akkordeonbalgs

Gelegenheiten gab es genug, die uns beide bereits früher hätten zusammenbringen können: In der gleichen kleinen Stadt studierten wir fast dasselbe, hatten gemeinsame Freunde und arbeiteten in der Musikredaktion des gleichen Bürgerradios, um dieselben Lieblingsbands zu teilen. Doch es war am Ende das Akkordeon, das den Ausschlag gab. Nach Tinas Start beim Erfurter Akkordeonorchester, in dem Laura bereits spielte, folgten weitere gemeinsame musikalische Erlebnisse. Das Musikinstrument verband uns – auch, als Laura von Thüringen nach Baden-Württemberg zog. Und wir lernten dazu: So zum Beispiel beim Klezmerwochenende auf Burg Fürsteneck, das uns eine andere Seite des Akkordeons näherbrachte, als ein Instrument unter vielen, das ganz verschiedene Rollen annehmen kann – die des zurückhaltenden Begleitinstrumentes, die des Solisten oder der Solistin im Mittelpunkt – und viele andere dazwischen.

Der Weg zum Akkordeon war für uns beide kein selbstverständlicher. Dass Laura ein Musikinstrument lernen wollte, war frühzeitig klar. Dass es aber das Akkordeon wurde und nicht etwa das präferierte Keyboard, lag schlicht daran, dass die Berliner Musikschule dafür noch Kapazitäten hatte – für dieses in Berlin zeitweise fast exotisch anmutende Musikinstrument. Anders war das nach dem Umzug in den Schwarzwald. Dort hat fast jedes Dorf ein eigenes Akkordeonorchester, und Akkordeonlehrer Bernd brachte Laura bei, was sie als Hobbyspielerin wissen und können muss. Ein weiterer Umzug hätte dann das Ende des musikalischen Lebens bedeuten können. Bei Laura führte das statt dessen dazu, ihr Musikinstrument nochmal neu zu entdecken. Sie spielte Straßenmusik mit Freundinnen, irische Musik in der Band The ­Dullahans und schließlich wurde bei Akkordeon im Quadrat in Mannheim erneut ihre Orchestereuphorie entfacht. Dass sie dabei war, als das Orchester zusammen mit den Orchesterfreund(inn)en aus Reilingen den 1. Platz beim World Music Festival in Innsbruck erreichte, passt ins Bild.

In Tinas Familie gehörte das Akkordeon schon immer zum Inventar, das aber vor allem als ungespielte Kiste hinter dem Schrank. Das Liederrepertoire des kleinen Weltmeister-Modells, zunächst vor allem Volks- und Pionierlieder, änderte sich nach ihrem Unterrichtsstart bald. So wanderte es von Liedern wie Old MacDonald Had A Farm im frühen Unterricht bis hin zu Filmmusik wie etwa Fluch der Karibik im Akkordeonorchester Harmony ­Dreams. Erst das gemeinsame Musizieren im Orchester und der dortige Dialog der Stimmen weckten bei ihr schließlich die volle Begeisterung fürs Akkordeon, die weiterhin anhält.

Gespräche über ein besonderes Instrument

Neustadt an der Weinstraße, März 2019: Mit der Regionalbahn in die Pfalz fahren, um slowenische Volksmusik zu hören, das macht man nicht alle Tage. Es ist natürlich nicht einfach slowenische Volksmusik, mit der wir uns beschäftigen werden, sondern Oberkrainermusik. Gespielt wird sie von niemand anderem als Sašo Avsenik, dem Enkel des großen Slavko. Auf der Autobahn und das Trompeten-Echo gelten in der Szene als Akkordeon-Klassiker. Trotz der festen Sitzordnung im Saal herrscht ausgelassene Stimmung, es werden Witze erzählt, und den Altersdurchschnitt senken nicht nur wir, sondern auch die jungen Musiker(innen) auf der Bühne. Nach dem Konzert erleben wir mit Sašo einen zugänglichen Gesprächspartner, der liebevolle Worte für sein Instrument findet. Ein Akkordeonist kann DJ oder Dirigent sein, das hat er oft live bewiesen. Ein Highlight unserer Interviewreise: Laura darf den Zillertaler Hochzeitsmarsch auf Sašos Instrument spielen.

Köln, April 2019: Aufgekratzt reisen wir aus unterschiedlichen Richtungen an, um sie zu treffen, Lydie Auvray, die Grande Dame des Akkordeons. Während des Gesprächs in ihrem heimischen Wohnzimmer stellen wir fest, dass jede Aufregung unnötig war. So nahbar und sympathisch spricht sie Musikerin mit uns, dass die Minuten verrinnen und das Interview wie von selbst läuft. Dabei ist Auvray ganz die Bühnengestalt: Mit wilder Gestik und sehr unterhaltsam beschreibt sie ihren Weg zum Akkordeon, ihre ersten musikalischen Gehversuche im Zusammenspiel mit Hannes Wader und ihre lockere Reaktion auf Kritik an ihrer Spielweise. Eine tolle Frau!
Weitere Reisen führen uns zum Beispiel ins Schwäbische. In Balingen treffen wir Christoph Wagner, Musikjournalist und Autor zahlreicher Publikationen über die Kultur- und Musikgeschichte des Akkordeons. Unsere daraus entstandene Podcast-Folge strotzt nur so vor amüsanten Anekdoten und wissenswerten Hintergründen zur Kulturgeschichte. Die Firma Hohner in Trossingen war früher zeitweise die größte Musikinstrumentenfabrik der Welt. Das und mehr kann man bei einem Besuch des Deutschen Harmonikamuseums erfahren. Beim Stadtrundgang und im Gespräch mit Museumsleiter Martin Häffner hören wir spannende Geschichten aus einer Stadt, die für das Akkordeon auch heute noch wichtig ist.

Unser Podcast

Accordion Talks ist eine monatliche Podcastreihe, in der wir mit unterschiedlichen Gesprächspartner(inne)n aus der Welt des Akkordeons sprechen. Damit möchten wir dazu beitragen, diesem Instrument in seiner musikalischen, kulturellen und historischen Vielfalt zu noch mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Wir starten am 15. Mai mit Sašo Avsenik. Die Serie ist auf anchor.fm/accordion-talks und den meisten gängigen Plattformen wie Spotify, Deezer und Apple Podcasts verfügbar.

Wir freuen uns auf zahlreiche Zuhörer(innen) und sind für Anfragen, Feedback und Ideen gern per E-Mail erreichbar: tina@accordion-talks.de und laura@­accordion-talks.de.

Erstmals veröffentlicht in:

akkordeon magazin #79
Mai 2021
Fotos/Grafiken: Carolin Potthast, Anja Schultz

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4 Kommentare

  1. Sandra

    Liebe Laura, liebe Tina!
    Ich war sehr gespannt auf die erste Folge der Accordion Talks 😉 und bin sehr begeistert!
    Die Folge mit Saso Avsenik war informativ und interessant gestaltet. Ich folge Euch auf jeden Fall, und bin gespannt, was noch so kommen wird. Euch weiterhin viel Erfolg und ein glückliches Händchen! Schön, dass das Akkordeon langsam aber sicher „moderner“ wird und auch bei den Podcasts eine Rolle spielt!

    Antworten
    • Tina

      Liebe Sandra, danke für dein positives Feedback! Wir hoffen, dich nun monatlich als treue Hörerin begrüßen zu dürfen 🙂

      In der Tat ist es uns ein Anliegen, zu zeigen, dass das Akkordeon alles andere als eingestaubt ist und zeitgenössischer Musik eine wichtige Rolle spielt. Dazu empfehlen wir die von uns verlinkten Musikbeispiele 😉

      Antworten
  2. Hein Diekmann

    Ich fand es ein sehr nettes und informatives Gespräch. Soll es immer nur Text sein und keine Musikbeispiele? Ich bin gespannt auf die weiteren Folgen. Gibt es eine E-Mail-Benachrichtigung?

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  3. Tina

    Lieber Hein, danke, dass du unserem Podcast folgst!

    Neben den regelmäßigen Folgen haben wir auch eine Playlist eingerichtet, in der wir spannende und zu den Folgen passende Musikbeispiele verlinken. Je nach Plattform, die du nutzt, sieht das anders aus, bei Spotify zum Beispiel so: https://open.spotify.com/playlist/7B9xQuHVMmMZOPN1AtFhPV?si=22fd868779164aec

    Eine E-Mail-Benachrichtigung gibt es bisher nicht. Wenn du dem Podcast allerdings folgst, werden dir die neuen Folgen automatisch angezeigt.

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