Luca Bassanese ist ein mit vielen Preisen ausgezeichneter Musiker, der auch als Schauspieler und Dichter agiert. Er schreibt viele seiner Lieder selbst und gilt als eine der Kerngestalten der neuen italienischen Volksmusikszene. Für sein neues Album hat er hervorragende Mitwirkende gefunden, und das Ergebnis ist überwältigend. Alle Lieder sind in der Sprache Venetiens verfasst, einer norditalienischen Regionalsprache. Wie Bassanese es in einem Interview sagt: Viele Jahre wurde das Venetische, wie so viele Sprachen überall in Europa, als “Dialekt” abgetan, jedes Wort Venetisch war in der Schule verpönt. Höchste Zeit für den Künstler also, seiner Heimatsprache neuen Glanz zu verschaffen. Das Album startet mit dem mehrstimmig gesungenen, chorartigen Stück „Tèra“, das klingt wie eine Hymne zu Ehren von Sprache und Region. Es folgen gesungene Lieder und Instrumentalstücke, bei den Liedern dominiert oft die leicht melancholische Stimme von Bassanese. Bei dem fröhlichen Stück „La Fugàssa“ werden ein hinreißendes Mandolinenintro und ein Kinderchor ergänzt. Ein weiterer Chor singt bei „Poènta e bacalà“ zu einer Art Tarantella. Es ist eines der Stücke, bei denen auch Bassaneses Akkordeon richtig zur Geltung kommt, denn über weites Strecken dominieren mehr die Saiteninstrumente. Noch mehr kann der Musiker seine Wandlungsfähigkeit bei dem wilden Stück „Descanta baùchi“ demonstrieren – „Descànta baùchi“ bedeutet so viel wie „Wecke die Dummköpfe auf“, kann aber auch als eine Aufforderung verwendet werden: „Sei nicht so blöd“. Das Stück „Sant‘Isepo“ wiederum wird mit sanfter Stimme gesungen von Gast Giuseppina “Beppa” Casarin, begleitet von Wellengeräuschen und gewidmet einer historischen Kirche in Venedigs Stadtteil Castello. Von den insgesamt 16 Liedern und Instrumentalstücken soll hier noch das letzte erwähnt werden: „Mi e ti (el canto del cuore)“, wie der Titel schon sagt, „das Lied des Herzens“. Hier zeigt sich, dass Bassanese sich mit italienischen singenden Herzensbrechern etwa im Stil von Adriano Celentano ohne Weiteres messen kann. Fazit: ein ungeheuer vielseitiges, musikalisch reichhaltiges Album voller wundervoller Überraschungen.
Gabriele Haefs






0 Kommentare