»Die Hochzeit der Doralicia«

Bugio aus Südbrasilien

31. Januar 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

O casamento da Doralicia

Ein Song von Adelar und Honeyde Bertussi aus dem Süden Brasiliens, ein besonderer Rhythmus und ein heiterer Tanz.
Text und Arrangement: Alex de Almeida

Das Stück

„O Casamento da Doralicia“ ist ein historisch bedeutender Song der Irmãos Adelar und Honeyde Bertussi aus dem südbrasilianischen Rio Grande do Sul. Er wurde 1956 auf dem Album Coração Gaúcho Vol. II veröffentlicht und gilt als erste je auf Tonträger aufgenommene Bugio-Komposition. Damit markiert er nicht nur einen künstlerischen Höhepunkt der Bertussi-Karriere, sondern auch einen Meilenstein für den Bugio selbst.

Die Komponisten

Adelar Bertussi (1933–2017) und Honeyde Bertussi (1923-1996) zählen zu den bedeutendsten Akkordeonisten und Komponisten des Südens Brasiliens. Als Mitglieder der Família Bertussi gestalteten sie maßgeblich die Gaucho-Musik und machten vor allem den Bugio-Stil landesweit bekannt. Ihre Spielweise verbindet kraftvolle Rhythmik mit klarer Melodik und gilt bis heute als Referenz für Akkordeonisten dieser Tradition.

Bugio: Ein Rhythmus aus Südbrasilien

Der Bugio ist ein traditioneller brasilianischer Tanz- und Musikstil aus dem äußersten Süden des Landes, insbesondere aus dem Bundesstaat Rio Grande do Sul. Er gehört zur Gauchokultur, ist aber in Europa weitgehend unbekannt. Und: Seinen Namen verdankt der Bugio niemand anderem als dem Brüllaffen (Portugiesisch: Bugio)! Charakteristisch sind markante, synkopierte Rhythmen und ein erdiger, leicht schwankender Groove, der die Bewegungen und Rufe des Tieres musikalisch andeutet.

Der Bugio steht meist im 2/4-Takt und wird traditionell mit Akkordeon, Gitarre (Portugiesisch: Violão) und Perkussion gespielt. Das Akkordeon übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Es verbindet markante Rhythmik mit melodischer Führung. Getanzt wird der Bugio als Paartanz, mit bewusst bodennahen, federnden Bewegungen und einem spielerischen, fast humorvollen Ausdruck. Für Akkordeonistinnen und Akkordeonisten bietet der Bugio eine spannende rhythmische Alternative zu bekannteren brasilianischen Stilen wie Samba, Baião oder Forró und eröffnet einen unmittelbaren Zugang zur wenig bekannten, aber reichen Musiktradition Südbrasiliens. Im August 2025 wurde der Bugio in einer feierlichen Zeremonie in Porto Alegre als immaterielles Kulturerbe von Rio Grande do Sul eingetragen.

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