Musiker über ihre Erfahrungen mit HDSmusic

Christina M. Bauer

Als Chefredakteurin des akkordeon magazins habe ich mich von Juli 2019 bis Mai 2021 um die inhaltliche Seite unserer Zeitschrift gekümmert. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Interessantes und Neues sich in einer speziellen Szene wie der des Akkordeons tut.

15. Februar 2021

Lesezeit: 8 Minute(n)

In Sachen Sound

Musiker über ihre Erfahrungen mit HDSmusic

Franz Schmid
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Abnahmeplatinen mit Mikrofonen ins Akkordeon oder die Harmonika einbauen, so mikrofoniert der Hersteller HDSmusic. Für das akkordeon magazin haben Musiker unterschiedlicher Stile uns ihre Erfahrungen mit diesen Tonabnehmern berichtet.

Der bayerische Hersteller HDSmusic stattet Akkordeons und Harmonikas mit Mikrofonen aus. Wie Inhaber Franz Schmid betont, ist ihm und seinen Mitarbeitern dabei bei aller Elektronik der Erhalt eines weitgehend akustischen Klangs wichtig. „Wir wollen das Instrument zu einhundert Prozent so belassen, wie es der Instrumentenbauer entwickelt hat“, so Schmid in einem Gespräch mit dem akkordeon magazin. Inzwischen befasst sich Schmid, der selbst Musiker ist, seit mehr als zwei Jahrzehnten mit den Feinheiten von Tonabnahme und MIDI-​Technologie. Er hat früher in diesem Bereich mit dem österreichischen Unternehmen Limex gearbeitet, sich dann für eigene Weiterentwicklungen in Sachen Sound entschieden. Heute ist sein Unternehmen HDSmusic in dem kleinen Ort Fuchstal in Bayern angesiedelt. Es bietet Systeme an, die in Form von Abnahmeplatinen direkt in Diskantteil und Bassseite eines Akkordeons oder einer Harmonika eingebaut werden. Sie sind daher so gut wie nicht sichtbar und die beiden Seiten können gleichermaßen verstärkt werden. Die Diskant-Mikrofonstreifen weisen 7 freischwingende Kapseln auf. Je nach Bedarf können bis zu 2 Streifen (14 Kapseln) verbaut werden. Für den Bass sind 2 Kapseln je Mikrofonstreifen vorgesehen. Der abgenommene Sound wird über Kabel weitergegeben, ein Funksystem ist ebenfalls möglich. Durch einen Balanceregler können Anwender steuern, wie laut oder leise Bass und Diskant jeweils verstärkt werden sollen. Es ist also bei Bedarf eine Betonung von Bass oder von Diskant möglich. Außerdem kann das Tonabnahmesystem je nach Bedarf ein- und ausgeschaltet werden, so dass weiterhin komplett akustisch und unverstärkt gespielt werden kann.
Abnahmeplatine Diskant, hier im Bild eingebaut
Schmid und Mitarbeiter haben zusätzlich eine MIDI-​Schnittstelle entwickelt, die in Akkordeon oder Harmonika eingebaut werden kann. Sie soll das Arbeiten mit MIDI-​Geräten ermöglichen, je nach Bedarf. An die Schnittstelle können Anwender beispielsweise ein Soundmodul anschließen. Es sind die unterschiedlichsten klanglichen Veränderungen oder Erweiterungen möglich. Wie Schmid berichtet, wird das Angebot von vielen Musikern gern wahrgenommen. Manche lassen Mikrofone einbauen, andere eine MIDI-​Schnittstelle, nicht wenige gleich beides. Ein Großteil der Käufer stammt aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, außerdem aus der Balkanregion, Italien, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Tschechien. Damit sind die Produkte in weiten Teilen Europas nachgefragt. Nicht jeder fährt für einen Mikrofoneinbau eigens nach Bayern. Ein großer Teil der Akkordeons reist also per Paket an und mit Mikrofon wieder ab. Für diejenigen, die lieber persönlich die Werkstatt besuchen wollen, ist auch das meist kein allzu langer Aufenthalt. Der Einbau eines Mikrofonsystems ist normalerweise in etwa zwei Stunden erledigt. Es gibt bei den Anwendern Profimusiker, Bands und Hobbyspieler aus Volksmusik, Pop, Jazz, Klassik, Soul, Rock und anderen Richtungen. Eine eigene sogenannte Orchesterline wird nun seit acht Jahren für die in Deutschland weit verbreiteten Akkordeonorchester angeboten. So wurde etwa eine spezielle Mikrofonierung für Orchesterbässe entwickelt, die den Bass im Diskantteil haben.
Um den Einsatz der Mikrofone aus verschiedenen Perspektiven noch etwas genauer anzuschauen, haben wir Musiker verschiedener Stile nach ihren Erfahrungen im Alltag auf der Bühne und im Studio gefragt.
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Daniel Mark Eberhard

Daniel Eberhard
Daniel Mark Eberhard spielt als Musiker unterschiedliche Stile von Blues und Jazz über Pop und Rock bis Weltmusik, Klassik und Crossover. Er hat mit Künstlern wie Jacques Loussier, Bobby Shew, Chico Freeman, Claus Reichstaller, Harald Rüschenbaum und Jörg Widmoser zusammengearbeitet. Seine Musik ist auf über 40 CD- und DVD-​Produktionen zu hören. Seit 2015 ist er Professor für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der Katholischen Universität Eichstätt-​Ingolstadt.
Daniel Eberhard über HDSmusic:
„Als Hohner-​Endorsement-​Artist bin ich mit meiner Morino und dem darin eingebauten HDSmicro-​System sehr viel unterwegs. Ich möchte hiermit mein ausdrückliches Lob für die hohe Produktqualität aussprechen, da ich damit auf größeren Bühnen unter akustisch schwierigen Bedingungen und auf kleineren Clubbühnen gleichermaßen einen klaren, natürlichen und gut hörbaren Akkordeonsound erzielen kann. Das System von HDS ist klanglich und im Hinblick auf Robustheit hervorragend konzipiert und gewährleistet eine zuverlässige Abnahme, auch unter ungünstigen Bedingungen. Wenn sich bei Konzerten für Tontechniker die Abnahme eines Akkordeons als schwierig erweist, können nach meiner Erfahrung die Anforderung einer DI-​Box und die Mittenstellung sämtlicher Equalizer-​Regler (ggf. mit kleinen Nachkorrekturen) das Problem lösen.“

Anne Harmsen

Anne Harmsen
Anne Harmsen alias The Cat’s Back ist seit Jahrzehnten als Musikerin unterwegs. Sie begleitet ihre Songs großenteils am Akkordeon. Zusätzlich bezieht sie teilweise Loopstation, elektronisches Schlagzeug, Cello oder Klavier in ihre Auftritte ein. Ihr Repertoire beinhaltet Blues, Folk, Gypsy, Rock und Balladen. Neben Covers bekannter Stücke singt sie eigene Songs in verschiedenen Sprachen.

Anne Harmsen über HDSmusic:

„Mein Akkordeon ist ein Cantonelli, in das ich Mikros von HDSmusic habe einbauen lassen. Das Spielen mit dieser Verstärkung gefällt mir besser als das Spielen ohne. Ich mag es, wenn die Akkordeonbässe brummen, sie sind sozusagen der Teppich für meine Musik. Am Diskant spiele ich meistens eine zweite Stimme zu meiner Gesangsstimme oder ergänze rhythmische Akzente. Ein wenig schade an dem Mikro ist nur, dass das Kabel des Adapters etwas dünn ist. Im Bühnenalltag gehen solche Kabel relativ schnell kaputt. Das ließe sich eventuell noch verbessern. Es gibt zwar von verschiedenen Herstellern kabellose Produkte, aber davon bin ich persönlich kein Fan. Ich habe schon oft Probleme mit kabellosen Mikros für Gesang gehabt, und das auch mit guten und teuren Marken. Ausserdem, wenn dann wieder die Frequenzen geändert werden, kann man die teuren Produkte wegschmeissen.“

Sandi Jug

Sandi Jug

Sandi Jug spielt Akkordeon. Er ist besonders für sein Oberkrainer Repertoire bekannt. In diesem Bereich gibt er Workshops, hat außerdem ein eigenes Workshopformat als Buch herausgegeben. Ein zweiter Teil erscheint in Kürze. Abgesehen vom Akkordeon spielt der Musiker auch Keyboard, Bass und Gitarre. Er kooperiert selbst seit Jahren intensiv mit HDSmusic. Als Inhaber des Unternehmens freshmusic stellt er Software und Soundmodule für Musiker her.

Sandi Jug über HDSmusic:

Ich spiele mit den HDSmusic Einbaumikrofonen schon seit mehreren Jahren. Ich war davor mit einem klassischen Mikro am Stativ auf der Bühne und weiß daher die gleichmäßige Abnahme der Diskantseite zu schätzen. So bleibt mir einiges an Auf- und Abbeugen vor dem Mikro erspart. Ein Pluspunkt ist außerdem die Bewegungsfreiheit. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt den Betrieb mit einer Funksendeanlage, um durch das Publikum zu marschieren oder auf der Bühne von links nach rechts zu laufen. Allein die Tatsache, dass ich mir nicht Gedanken machen muss, ob ich gerade günstig am Mikro stehe, weil ich nebenher noch singen und auf das Gesangsmikro achten muss, oder mich gerade zum Gitarristen drehe, weil wir abgrooven wollen, ist enorme Bewegungsfreiheit. Dazu kommt der kompakte und direkte Sound. Genauso ist es auf der Bassseite, die sehr schwierig zu beschallen ist, da der Harmonikabalg permanent bewegt wird. Bei meiner Einbauvariante kann ich Bass- und Diskantseite getrennt abmischen, was sowohl live auf der Bühne als auch im Studio für dichten Sound sorgt. Das macht bei Solo- und Akustik-/Unplugged-​Sessions natürlich besonders viel Spass.

Von der technischen Seite kann ich sagen, dass die Einbaumikrofone sehr feedbacksicher sind und sogar bei lautem Monitoring keine Probleme bereiten. Nun regulieren viele Oberkrainer-​Akkordeonisten die Dynamik gerne mit dem Mikroabstand. Aber zu deren Einwand, man könne die Dynamik nicht mehr regulieren, möchte ich einmal die Frage in den Raum stellen: „Wie spielt ihr denn ohne Anlage dynamisch? Müsst ihr, um leise genug zu sein, in ein Nebenzimmer gehen um die Sänger nicht zu übertönen? Oder spielt ihr einfach leiser?“ Bei den Einbaumikros ist die Dynamik da wo sie hingehört, im Blasebalg. Und außerdem wissen alle in der Krainer-​Szene, dass wir sowieso spätestens nach den ersten Stücken und Fortepassagen am Stativmikro kleben wie Fliegen an der Windschutzscheibe.

Johannes Sift

Johannes Stift bei einem Triokonzert
Der Musiker Johannes Sift spielt mit der diatonischen Harmonika traditionelle Volksmusik, etwa im Trio Quetschendatschi. Dabei integriert er aber immer wieder auch Einflüsse verschiedener europäischer Folklore und des Klezmer. Einen Teil seiner Musik schreibt er selbst. Abgesehen von vielen Liveauftritten hat er in den vergangenen Jahren einige Alben eingespielt.
Johannes Sift über HDSmusic:
Als Volksmusiker, der von der eigenen Musiktradition ausgehend sich auch in andere Musikstile wagt, spiele ich zu ganz verschiedenen Anlässen Musik. Da gibt es Feiern im kleinen Kreis, Tanzkurse und Tanzabende mittlerer Größe, sowie Konzerte und Open Air-​Auftritte vor einem großen Publikum. Bei all diesen unterschiedlichen Gelegenheiten muss ich jeweils ganz verschiedenen Bedürfnissen und Voraussetzungen gerecht werden. Zum einen spiele ich ein traditionelles Musikinstrument, und das soll es für meine Zwecke auch bleiben. Zum anderen ist es eine große Herausforderung, damit auf großen Bühnen aufzutreten, wenn Tradition auf moderne Bühnentechnik trifft. Seitdem ich meine Jamnik-​Harmonika mit dem HDSmicro-​System habe ausstatten lassen, kann ich mir meine Auftritte nicht mehr ohne vorstellen, denn alles ist damit besser und einfacher geworden.
Mich als Volksmusiker überzeugt die einfache Handhabung. Ich gehe auf die Bühne, stecke mein Musikinstrument an Mischpult und Lautsprecher an, und schon kann’s losgehen. Umständlich befestigte Mikrofone, die von außen auf die Diatonische Harmonika geklebt werden müssen, oder ein Mikrofon auf einem Stativ, das zudem noch störende Umgebungsgeräusche verstärkt, gehören endgültig der Vergangenheit an. Zudem ändert sich optisch am Instrument rein gar nichts, denn die Mikrofone von HDSmusic sind unsichtbar im Inneren verbaut. So behält die Steirische Harmonika ihr traditionelles Aussehen. Ich kann selbst anhand eines kleinen Reglers auf der Bassseite des Instruments den Klang und die Lautstärke steuern. Alle technischen Komponenten, die beim HDSmicro-​System in die Harmonika eingebaut werden, sind von außen kaum zu erkennen und stören das charakteristische Aussehen nicht. Andererseits habe ich mit diesem System ein Musikinstrument, das den technischen Herausforderungen moderner Bühnen entspricht. HDSmusic ist damit gelungen, beides miteinander zu verbinden, sodass das HDSmicro-​Abnahmesystem sozusagen alles kann: es kann laut, traditionell und unsichtbar sein. Deswegen ist es auf der Bühne heutzutage mein ständiger und zuverlässiger Begleiter.

Günther Pentenrieder

Günther Pentenrieder
Der bayerische Handzuginstrumentenmacher-Meister ­Günther Pentenrieder hat seit einigen Jahren eine kleine Werkstatt in Wildenberg. Früher arbeitete er für die Firma Hohner in Trossingen. Heutzutage ist er abgesehen von der eigenen Werkstatt zusätzlich in der von Quirin Kaiser in der Ortschaft Niklasreuth tätig. Pentenrieder fertigt und repariert Harmonikas und Akkordeons und baut auf Wunsch unter anderem auch Mikrofone von HDSmusic ein.
Günther Pentenrieder über HDSmusic:
Die HDSmusic Mikrofone sind sehr gefragt und meiner Meinung nach die besten, die derzeit auf dem Markt sind. Ich verwende selbst mit meiner Hohner Morino sowohl die Mikrofone als auch eine MIDI-​Schnittstelle. Seit 15 Jahren spiele ich jetzt schon damit und es gab nie Probleme.
Erstmals veröffentlicht in:

akkordeon magazin #73
April/Mai 2020

Fotos:

Franz Schmid

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