Oberkrainer Workshop I: Körperhaltung und Positionierung

Sandi Jug

Gerne erzähle ich Euch mehr zum Thema Oberkrainer-Akkordeon. Alles rund um die Spieltechnik, das »Shaddern« sowie spannende Titel-Tutorials und Tipps zum richtigen Üben – hier verrate und zeige ich Euch regelmäßig meine Tipps und Tricks.

15. März 2020

Lesezeit: 5 Minute(n)

Oberkrainer Workshop I

Körperhaltung und Positionierung

An wen sich dieser Workshop richtet
Für viele Akkordeonisten auch jene, die eigentlich diese Musikrichtung gar nicht spielen, sie aber dennoch als Spieltechnik kennen – stellt die Oberkrainer-Begleitung eine große Herausforderung dar. Für manche ist es fast „Rätsel und Mythos“, wie das wohl funktionieren mag mit dem „shaddern“… Andere spielen die Oberkrainer-Begleitung bereits, haben jedoch noch Schwierigkeiten mit Ausdauer und höherem Tempo. Diese neue Workshop-Reihe soll Aufklärung und Hilfe bieten und richtet sich sowohl an Quereinsteiger, Neulinge und Fortgeschrittene als auch an jene, die einfach nur wissen wollen, „wie es funktioniert“. Die Rolle des Akkordeons in der Oberkrainermusik soll erklärt werden, verschiedene Begleitmuster, „Fills und Licks“, Tipps mit Übungen und Workouts sollen helfen, das Ganze dann auch bei der nächsten Session – also in der Praxis – umzusetzen.

Tipps und Infos zum Workshop-Handling
Das schöne am digitalen Zeitalter: Nahezu alles kann hörbar und sichtbar gemacht werden.  Zu allen Notationen und Spieltipps gibt es Klangbeispiele und Videos. Man kann also die Spieltipps und Übungen hören und in Videos beispielsweise sehen, welche Tasten gedrückt werden sollen. Um das effektive, aber doch „trockene“ Üben mit Metronom ein wenig angenehmer zu gestalten, habe ich für diesen Workshop die Übungen in allen Tonarten mit Bariton- und Gitarrenbegleitung auf YouTube bereitgestellt.

Beginnen möchte ich den Workshop mit einem Thema, das meist bei der ersten Coaching-Session schon der nötige „Opener“ ist: Die Körperhaltung und Positionierung des Akkordeons, denn hier „bremsen“ sich die ersten bereits selbst aus.

Position/Haltung annehmen
Wer kennt es nicht – dass imposante und charismatische Bild unseres Vorbildes Slavko Avsenik, des Erfinders der Oberkrainermusik. Als wäre ihm das Akkordeon wie ein Maßanzug auf den Leib geschneidert worden. Und es sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch sinnvoll. Versucht einmal (ohne Instrument – Handhaltung jedoch, als ob ihr spielen würdet), für die rechte Hand eine angenehme und entspannte Position zu finden.

Dort, wo es nicht „zwickt und beißt“, sollte die Diskantseite/Tastatur hin. Also sollten entsprechend die Riemen kürzer eingerichtet oder verlängert werden. Im Beispiel ist das Instrument zu weit unten und zu weit „außen“.

Bei dieser Position ist euer Arm schon allein deswegen verspannt, weil ihr ihn nach „hinten“ ziehen müsst, um an die Tasten zu kommen.

Ist das Instrument zu tief positioniert, kommen die ersten Probleme spätestens in den hohen Lagen, weil der Arm fast schon ausgestreckt werden muss. Also: Beide Riemen kürzen, den rechten etwas weniger – sonst zieht es das Akkordeon zu weit nach außen. Mit dieser Position habt ihr jetzt Bewegungsfreiheit. Egal in welchem Bereich der Tastatur gespielt wird, der Arm ist immer mehr oder weniger entspannt, eurer Motorik steht sozusagen nichts mehr im Wege, was ermüdend wäre – und wie gesagt, es sieht auch einfach besser aus.

Es mag zwar den einen oder anderen geben, der sich an einer optisch falschen oder ungünstigen Positionierung nicht stören mag, es gilt aber zu berücksichtigen, dass jeder Körper anders gebaut ist – unterm Strich geht es um das Vermeiden und Minimieren der Verspannungen im rechten Arm. Meine aufgeführten Punkte sind also als Richtwert zu verstehen – keinesfalls als Regel.

Die Balgführung
Auch diese Thematik wird oft unterschätzt, schlimmstenfalls die Funktion des Balges sogar missverstanden. Denn der Balg ist nicht nur für laut und leise verantwortlich, sondern mit ihm bringt man auch das Instrument zum Klingen. Und man muss eigentlich nicht einmal ziehen daran – es heißt ja nicht umsonst Balg-„Führung“. Probieren wir’s einfach einmal aus:

Drückt einen Akkord auf der Diskant-Seite und lasst den Balg einfach „fallen“, führt und kontrolliert diesen mit der linken Hand nur soweit, dass er nicht „nach unten fällt“ – nicht ziehen, nur „führen“ ! Und nicht nach „hinten“, einfach nach links vom Körper weg. Ist der Arm fast ausgestreckt, Bass-Seite nach oben anheben und Balg zusammenführen – kein Ziehen, kein Drücken.

Das wäre sozusagen das „Grundprinzip“ und auch mehr oder weniger eure Grundlautstärke. Somit habt ihr „Luft nach oben“ für Akzentuierungen und forte/fortissimo, aber auch für die leisen Passagen. Nichts ist für einen Zuhörer anstrengender als undynamische Musik, gleichbleibende Lautstärke – bildlich gesprochen: Spaßfaktor einer Ausfahrt mit Tempomat auf der Autobahn oder doch die Überlandstrecke / der Pass?

Die Begleitung – auch bekannt als „shaddern“ – haggadda
Häufig treten Fragen und Probleme auf wie etwa „Was mache ich falsch, nach zwei Liedern Begleitung geht nichts mehr“; „Ich kann das Tempo nicht halten, ist mir zu schnell“; „Bei mir klingt die Begleitung so steif“ usw. Ich möchte nun einfach erklären, worauf zu achten ist. Jeder wird für sich dann seine Ursache des Scheiterns entdecken, oder – im schlimmsten Fall – feststellen, dass er es komplett falsch angegangen ist.

Virtual Trainer

Wer es noch flexibler haben möchte, kann die Musik-App HDS iSound installieren und sich mit vielen Funktionen beim Üben unterstützen lassen. An den mit 👉 gekennzeichneten Stellen findet man mein kostenloses Workshop-Material in der App. + Lass dich von Übungsstücken (Playalongs) begleiten. + Höre dir Diskant und Bass getrennt an. + Bestimme Dein Tempo. + Wechsele die Instrumente, die dich begleiten. + Schau dir an, welche Diskanttasten gedrückt werden.

Hier geht es zum kostenlosen Download des HDS iSound-Materials für diesen Workshop.

Ungünstig positioniert

Empfohlene Positionierung

Zur Spieltechnik
Greifen wir einfach einmal einen Dreiklang-Akkord – zum Beispiel F-Dur. Die Finger haben wir leicht gebeugt (Bild 1) – nicht ausgestreckt (Bild 2).

Nun bewegen wir aus dem Handgelenk heraus den Handballen in Richtung Tastatur (siehe Bild 3 und 4).

Wichtig ist: Nicht den ganzen Arm bewegen, wirklich nur aus dem Handgelenk heraus. Und alles ist locker – keinesfalls wird der Unter- und/oder Oberarm angespannt. Sonst landen wir bei den im Absatz oben erwähnten Problemen.

Das Einzige, das leicht gespannt ist, sind die Finger. In etwa so, als wolle man einen Apfel mit den Fingern vom Tisch heben, ohne Abdrücke zu hinterlassen. Also gerade soviel, dass er nicht aus den Fingern flutscht, aber nicht so, als hätten wir Angst, ihn fallen zu lassen. Und jetzt aus dem Handgelenk im Takt jede Viertelnote den Handballen Richtung Tastaturkante stoßen — 1 – 2 — 1 – 2.

(1) Finger gebeugt

(2) Finger gestreckt

(3/4) Die Bewegung erfolgt aus dem Handgelenk

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