AkkoBrass – Blas- und Tasteninstrumente in Kombination Teil II

Wir spielen im Duett – Entwicklung einer zweiten Stimme

ao+

27. Juli 2023

Lesezeit: 6 Minute(n)

Manche können es einfach: Sie hören eine Melodie und intonieren dazu sofort eine zweite Stimme, sei sie gesungen oder auf dem Instrument gespielt. Häufig sogar ohne das musikalische harmonische Hintergrundwissen – und dennoch klappt es scheinbar ganz unkompliziert. Als Zuhörerin oder Zuhörer schaut man sich diese Menschen entgeistert an und fragt sich: Wie geht das? Dieser Frage widmet sich der zweite Teil der Workshopreihe „AkkoBrass“.

Workshopübersicht

Über den Autor

Gottfried Hummel

 (* 2. März 1968 in Löffingen) ist ein deutscher Dirigent, Musiklehrer, Komponist und Arrangeur. Die Kompositionen und Arrangements Hummels werden in der Akkordeonszene vielfach gespielt. Seine Arrangements reichen von Volksmusik und Schlager bis hin zu Rock, Pop und Klassik. Auch im Bereich Blasmusik ist er mit Kompositionen und Arrangements vertreten. Als Musikpädagoge entwickelte er Konzepte für das gemeinsame Musizieren von Spielern aller Altersstufen und Schwierigkeitsgrade in einem Akkordeonorchesters.

Gottfried Hummel Edition Hummelton

MEHRSTIMMIGKEIT

Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach – zumindest theoretisch. Die Zweitstimme läuft parallel zur vorhandenen Stimme. Das heißt, die Personen, die die zweite Stimme singen, starten die Melodie auf einem anderen Ton. Bei einer parallelen Stimmführung läuft die zweite Stimme meist in Terzen oder Sexten, das heißt in sogenannten „harmonischen Intervallen“ zur Erststimme. Tonabstände in Quarten und Quinten hingegen gelten als sogenannte „leere“ Intervalle, die nicht zu unserem harmonischen Klangverständnis passen.  Egal ob bei Schlager, Rock und Pop oder Klassik – die parallele zweite Stimme läuft deshalb immer in Terzen und Sexten neben der Hauptmelodie her. Es lohnt sich übrigens, beim Musikhören übungshalber mal nicht auf die Hauptstimme, sondern auf den Background zu hören.

Fast jede Musik, die man so hört, ist mehrstimmig – eine Ausnahme sind lediglich gregorianische Choräle, die grundsätzlich einstimmig sind. Doch zurück zur routiniert intonierten Zweistimmigkeit: Spannend wird es dann, wenn sich die Harmonie ändert und die parallele Linie nicht mehr harmonisch genau passt – also quasi schräg klingt. Für die Gehörspezialistinnen und -spezialisten unter uns kein Problem: Sie singen und spielen dann einfach einen anderen Ton, der an dieser Stelle harmonisch passt. Für alle, die Musik arrangieren, ist es aber natürlich wichtig, nichts dem Zufall zu überlassen, sondern sich im Hinblick auf die Harmonie genau auszukennen.

Machen wir aus diesem Grund nun einen kleinen Schritt zurück zur Harmonielehre, die die Basis jedes Arrangements darstellt.

GRUNDLAGEN DER HARMONIELEHRE

Um sich in der Welt der Harmonien heimisch zu fühlen, ist es für einen Arrangeur oder eine Arrangeurin sicher von Vorteil, ein Tasteninstrument spielen zu können. Das grundsätzlich Entscheidende sind die Tonart und die Harmonien eines Titels. Deshalb ist es unerlässlich, vor Einsatz der eigenen Kreativität eine harmonische Analyse des Stücks vorzunehmen, dass man arrangieren will. Vorab ist es zielführend, sich in die Tonleiter und die darauf aufgebauten Harmonien einzuarbeiten.

Nun kann man daran gehen, die Melodie, die man zweistimmig aussetzen will, zu harmonisieren.

Die wichtigsten Tonstufen in der elementaren Volksmusik sind:

  • die Stufe, Tonika genannt
  • die 4. Stufe („Subdominante“)
  • die 5. Stufe („Dominante“)

Die 2., 3. und 6. Stufe liefern häufig interessante Moll-Harmonien.

Um eine Melodie zu harmonisieren, gibt es meist mehrere Möglichkeiten. Im Folgenden sehen wir uns ein paar Beispiele an.

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