Mit ihrem Album „Prophecy“ setzt die lettische Akkordeonvirtuosin Ksenija Sidorova ihrer Heimat und deren Nachbarn ein klanggewaltiges Denkmal. Gemeinsam mit dem Estonian Festival Orchestra unter der Leitung von Paavo Järvi ist eine Aufnahme entstanden, welche die tiefe Verbundenheit zwischen Solistin und Orchester zelebriert. Das titelgebende Werk von Erkki-Sven Tüür fordert Sidorova alles ab: Als „technisch kompliziertestes Werk“ ihrer Karriere beschreibt sie das Konzert, das die Wucht des Sinfonieorchesters mit der Wendigkeit des Akkordeons verwebt. Weiteres Highlight ist das von Tõnu Kõrvits für Sidorova geschriebene Werk „Dances“. Der Komponist lernte für dieses Stück selbst Akkordeon, was sich in einer feinsinnigen Auslotung der Register widerspiegelt. Statt radikaler Experimente bietet das Album eine atmosphärische Reise: Von den dramatischen Bögen bei Kõrvits bis hin zu Pēteris Vasks’ meditativer Bearbeitung von „The Fruit of Silence“. Eine kluge Einbindung des Akkordeons in den sinfonischen Kontext und ein starkes Plädoyer für dessen Platz im Konzertsaal.
Klaus Härtel






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