Akkordeon-Duo con:trust

Wenn Vertrauen und Innovation aufeinandertreffen

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4. Juli 2023

Lesezeit: 5 Minute(n)

Interview: Daniela Höfele, Foto: Nick Konstantin Otto, Andi Materiell 

Als „unterschiedlich wie Tag und Nacht“ beschreiben sich die Akkordeonisten Daniel Roth und Marius Staible. Nicht nur hinsichtlich ihrer musikalischen Biografien, sondern auch charakterlich – und dennoch spielen sie das gleiche Instrument, musizieren zusammen und sind mittlerweile sogar zusammengezogen, um sich in ihrer Wohnung mit eigenem Studio ganz ihrer musikalischen Zukunft widmen zu können. 2016 gründeten sie das Duo con:trust – und der Name ist Programm: „Anfangs mussten wir erst selber noch verstehen, wie unterschiedlich wir eigentlich sind“, erzählt Marius Staible. „Wir haben das Duo sehr jung gegründet, waren neu in der Stadt, hatten frisch angefangen zu studieren – erstmal haben wir einfach nur Musik gemacht, da war es zunächst nicht so wichtig, wie wir ansonsten so drauf sind.“ Irgendwann wurde den Musikern jedoch klar: Wenn sie als Duo funktionieren wollen, spielt genau das eben doch eine große Rolle. „Wir mussten viel austarieren“, erinnert sich Daniel Roth. „Dann haben wir aber verstanden, dass wir uns eigentlich sehr gut ergänzen und dass wir das nutzen können.“

Von Klein auf faszinierte das Akkordeon

Das Akkordeon entdeckten beide schon sehr früh für sich. Daniel Roth folgte einer Familientradition: Sein Großvater spielte Akkordeon, seine Mutter ebenso; für Daniel war es deshalb ganz selbstverständlich, das Instrument ebenfalls zu erlernen. Einmal mit dem Opa zusammenspielen, das war sein erklärtes Ziel als Kind. Dann erwachte der Ehrgeiz: Er wollte wissen, „was da noch geht“, wollte sich weiter verbessern und entschied sich nach der Schulzeit schließlich zu einem Akkordeon- und Musiktheoriestudium in Weimar. Auch für Marius Staible, Sohn einer Klavierlehrerin, war klar, dass er als Kind ein Instrument erlernen sollte – welches, stellte ihm die Mutter frei. „Womit sie aber nicht gerechnet hat, war, dass ich mit drei Jahren das erste Mal eine Straßenband sah, die eine Ziehharmonika dabei hatte“, erzählt Marius Staible. „Die hat mich so sehr fasziniert, dass ich dieses Instrument unbedingt lernen wollte. Dabei war meine Mutter offen für alles – nur bitte kein Akkordeon!“, lacht der Musiker. Er setzte sich jedoch durch und begann mit vier Jahren in Jena mit dem Unterricht. Trotz der anfänglichen Vorbehalte unterstütze seine Mutter seine Leidenschaft tatkräftig, indem sie ihn alle zwei Wochen von Nürnberg nach Jena zur Musikschule fuhr. Es sollte sich lohnen: Bis 2016 behielt Marius die Akkordeonstunden bei. Dann begann er sein Musikstudium an der Hochschule Franz Liszt in Weimar, wo er auch auf Daniel Roth traf.

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Innovation und Kreativität: Was das Duo antreibt

Seit der Gründung von con:trust 2016 ist viel passiert. Inzwischen gelten die beiden Akkordeonisten als gefragte Bühnenkünstler mit enormer musikalischer Bandbreite. Als Duo sind sie offen für Projekte unterschiedlichster Art und erfinden sich immer wieder neu, so veröffentlichten sie 2019 beispielsweise eine CD mit Uraufführungen verschollener Kompositionen der Loheland-Gymnastik. Auch mit anderen Musikerinnen und Musikern arbeiten sie gerne zusammen. „Besonders wichtig ist immer, dass die Grundidee stimmt“, erklärt Marius Staible“. „Am schönsten finde ich es, wenn ein Projekt vom Akkordeon abhängig ist, insofern dass nur das Akkordeon diese Aufgabe bewältigen kann, wie sonst kein anderes Instrument.“ Großen Wert legt das Duo dabei auf Innovativität: „Wenn ich das Gefühl habe, die Idee hat so noch nicht stattgefunden, beispielsweise in Bezug auf unser Instrument, dann finde ich das spannend“, schwärmt Daniel Roth. „Aber es muss auch stimmig sein: Im Optimalfall haben wir unsere Freiheiten und dürfen uns Sachen überlegen, aber sie erfüllen auch einen ganz bestimmten Zweck und spielen eine wichtige Rolle im Projekt.“

Als Content Creator durch die Pandemie

Ihre Kreativität sowohl in musikalischer als auch organisatorischer Hinsicht bewies das Duo con:trust nicht zuletzt während der Pandemie. Mangels Live-Auftritten musste eine neue Strategie her – die beiden Musiker wurden zu „Content Creators“ und erarbeiteten sich einen großen Erfolg in den sozialen Medien. „Am meisten werden die Leute hier aufmerksam, wenn wir bekannte Musik mit dem Akkordeon verknüpfen oder ganz für das Akkordeon neu schreiben“, erklärt Marius Staible. Der Redaktionsplan zu Coronazeiten war aufwendig: Alle zwei Tage ein Beitrag auf Instagram, wöchentliche Beiträge auf TikTok, dazu monatlich ein aufwendiges Musikvideo auf YouTube. Doch der Erfolg gab den beiden recht: Über die unterschiedlichen Kanäle verzeichnete das Duo bald Tausende Follower:innen unterschiedlichen Alters insbesondere aus Deutschland, Brasilien und den USA. „Heute sind wir aber natürlich froh, dass wieder Livemusik vor Ort möglich ist“, sind sich Staible und Roth einig. „Das ist einfach das wichtigste und zum Glück auch das beliebteste Format!“

Work in Progress: Eine CD und das Ausland rufen

Live vor Ort fand auch eins ihrer letzten Projekte statt: Gemeinsam mit dem Verein Yehudi Menuhin – Live Music Now Weimar organisierten sie „Kopfkino“ – ein Konzert in Zusammenarbeit mit Gefangenen der JVA Hohenleuben. Ein Interview mit dem Duo con:trust speziell zu diesem Projekt gibt es hier  zum Nachlesen.

Und damit natürlich nicht genug. Derzeit haben Marius Staible und Daniel Roth gleich zwei große Vorhaben geplant: „Wir nehmen aktuell unsere erste con:trust-CD auf!“, freuen die Musiker. Um diese unabhängig produzieren zu können, erfolgen die Aufnahmen im selbst eingerichteten Studio in ihrer WG. Zu viel wollen sie noch nicht verraten – freuen dürfen sich ihre Fans aber auf eine vielseitige Mischung aus Eigenkompositionen und Musik-Covers. „Sobald es hier was Neues gibt, bekommen unsere Follower:innen das auf alle Fälle über unsere Homepage und über Social-Media-Kanäle mit“, verspricht Marius Staible.

Und das zweite große Projekt? Es geht ins Ausland! „Wir nehmen die USA in den Fokus: Im April steht eine New-York-Reise an“, erzählen die Akkordeonisten. „Dort gibt es das europäische Akkordeon im klassischen Sinne, wie wir es kennen, noch gar nicht – und auch keinen Akkordeon-Studiengang an den Musikhochschulen und Universitäten.“

Das Instrument und seine Möglichkeiten bekannter machen, hat sich das Duo hier auf die Fahne geschrieben. Eine Besonderheit ist natürlich immer auch die Kombination aus zwei Akkordeons: „Das ist noch so ein weites Feld, ein noch sehr ‚unschuldiges‘ Thema sozusagen“, erklärt Daniel Roth. „Da gibt es noch nicht viel Literatur, es ist eben kein Streichquartett. Daran arbeiten wir stark selbst und haben auch viele Komponist:innen angesprochen für unsere Reise – sowohl im Hinblick auf die USA als auch auf unsere CD wird da auf alle Fälle viel neue Musik entstehen.“

 

Zukunftswünsche: Das Akkordeon in all seiner Vielseitigkeit bekannter machen

Generell hat das Akkordeon für die beiden Musiker seit ihrer Kindheit nichts seiner Faszination verloren. Wünschen würden sie sich allerdings eine Weiterentwicklung, was das Image des Instruments in der breiten Bevölkerung angeht: „Es darf gerne ein bisschen schillernder werden, neuer, ein bisschen funkiger und jünger vielleicht“, sagt Daniel Roth. Zwar sieht das Duo auch den Vorteil eines eher „nischigeren“ Instruments, durch dessen Facettenreichtum sie viele Menschen eher überraschen statt in ihrer Meinung bestätigen können. Ginge es nach Marius Staible, dürfe es aber gerne noch mehr Leute jeden Alters geben, die dem Akkordeon zuhören, sich dafür begeistern und wissen, „was das Instrument eigentlich alles kann“. Das sieht er auch als wichtige Mission des Duos: „Wir hoffen, dass es in zehn Jahren einfach mehr ist: Mehr Menschen, die von uns erreicht wurden und auch mit uns zusammenarbeiten, dass wir noch mehr Ideen bekommen, dass möglichst viele Menschen das Akkordeon für ihre Zwecke nutzen können. Das ist mein persönliches Ziel für uns und für das Akkordeon.“

Aktuelle Informationen und Konzerttermine des Duos con:trust gibt es unser www.contrustmusic.com  sowie auf den dort verlinkten Social-Media-Kanälen.

 

 

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