Baba Yaga

Odiseja (The New)

6. Oktober 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

Baba Yaga ist bekannt als Hexengestalt aus slawischen Märchen, aber „Hexe“ sagt eigentlich gar nichts, und die Band Baba Yaga beschreibt ihre Namensgeberin als „wildes, unberechenbares und oft gefährliches weibliches Wesen“. Das passt jedenfalls zur Musik dieser drei Frauen und zwei Männer, die sich in Wien zusammengefunden haben. Wien, einst Hauptstadt eines riesigen Reichs, ist, wie sie sagen, seit Jahrhunderten ein Ort, an dem viele Kulturen aufeinandertreffen und sich gegenseitig inspirieren. Da überrascht es nicht, dass Baba Yaga in sieben Sprachen singen (Bosnisch-Serbisch-Kroatisch, Jiddisch, Romanes, Griechisch, Französisch, Italienisch und Spanisch) – und entsprechend vielseitige Musik liefern. Klezmer, Balkanfolk und Gypsy Jazz werden als ihre Schwerpunkte beschrieben, und das ist sicher wahr, aber jedes Lied bekommt seinen eigenen Baba-Yaga-Touch. Das Album enthält kein Instrumentalstück, aber die Instrumente kommen trotzdem überzeugend zur Geltung. Neben der ausdrucksstarken Stimmen von Jasmin Meiri und Raffaela Gmeiner sowie der ebenfalls von Gmeiner gespielten Violine formt vor allem Anela Čindrak mit ihrem Akkordeon den Sound entscheidend. Odiseja heißt das Album, passend zu einer Reise durch die Musik so vieler Kulturen – es gibt das Titelstück „Baba Yaga“, das sehr rhythmisch ist und wirklich wie ein wilder Hexentanz klingt, aber es gibt andererseits den Tango „Vieni da me“, der an einen italienischen Schlager der 1960er Jahre erinnert. Und dann das Klezmer-inspirierte „Oy mame, bin ikh farlibt“– man rechnet mit einer traurigen Geschichte, aber die schönen schwarzen Augen des Geliebten zwingen geradezu zum Frohlocken. Wirklich traurig und voller Sehnsucht ist ein anderes jiddisches Lied, „Oyfn veg shteyt a boym“ – aber es gibt auch „Tchavolo Swing“, das losfetzt, als wären hier die Leningrad Cowboys am Werk gewesen. Kurzum, ein kontrastreiches musikalisches Erlebnis und eine Entdeckungsreise durch Stile und Sprachen!

Gabriele Haefs

<em>Odiseja</em> (The New)
Baba Yaga
Odiseja (The New)

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