Blitzverliebt …

... in ein Akkordeon mit Tasten auf beiden Seiten!

10. Februar 2023

Lesezeit: 3 Minute(n)

Settimo Soprani nach einem Patent von Max B. Luttbeg aus dem Jahr 1931

In der Zeitung bin ich über eine Anzeige für ein ganz besonderes Akkordeon gestolpert.
Ein Settimo Soprani nach einem Patent von Max B. Luttbeg aus dem Jahr 1931, das in ganz kleiner Stückzahl gebaut wurde (ich glaube nur 12 Stück). Ein Akkordeon mit Tasten auf beiden Seiten!
Text und Fotos: Barbara Bertram

Max B. Luttbeg war ein russischer Immigrant in den USA. Er wurde am 1. Januar 1868 in Russland geboren und verstarb im Alter von 92 Jahren am 8. Dezember 1960 in Saint Louis, Missouri. Eigentlich war er passionierter und auch recht erfolgreicher Wrestler, hat sich dann aber aus dem Sport zurückgezogen und an zahlreiche Erfindungen gewagt. Darunter eben auch das Piano-Akkordeon mit Doppeltastatur..
So etwas hatte ich nur einmal in Castelfidardo im Museum gesehen und war daher natürlich sehr neugierig, ob es spielbar ist und habe gleich Kontakt mit dem Verkäufer aufgenommen.
Da habe ich mich dann irgendwie blitzverliebt. Das Akkordeon ist in einer bekannten schottischen Familie, ich wollte schon sagen „aufgewachsen“. Der Opa hatte es für seinen Sohn John Hyde gekauft, der lange begeistert damit gespielt hat. Nach dessen Tod ist es dann an einen der Söhne gegangen, der zwar begnadeter Musiker ist (Dermot Hyde/Uilleann Pipes und Whistles, Pipeline, Matching Ties), aber selbst kein Akkordeon spielt und nun auf der Suche nach jemandem war, der es nicht nur ausstellen, sondern auch spielen wurde. So wurde es zwar immer gut behütet, aber jahrelang nicht gespielt. Die Leder und Filze waren lose und porös, ein paar Tasten hingen und die Basstasten waren zum Teil abgebröckelt. Spielbar war es damit nicht, aber die Substanz insgesamt wunderbar erhalten. So ist es z.B. innen mit Leder ausgekleidet, damit der Klang weicher ist und das Holz und der Balg waren noch einwandfrei. Also haben wir beschlossen, es umfassend restaurieren zu lassen.

Es war gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der sich der Arbeit annimmt. Die häufigste Erklärung war zu meiner Verwunderung, es würde nichts bringen, weil man die Kosten bei einem Verkauf nie reinholen würde. Unglaublich! Es ging doch nicht ums Geld, sondern um die Rettung einer ziemlich hübschen Rarität.

Bei ars musica in München bin ich dann aber doch auf Begeisterung gestoßen. Alin Gabriel Stan, Akkordeonbauer und Musiker hat es liebevoll restauriert, so dass es wieder richtig spielbar ist. Der Klang ist erstaunlich. Es hat nur zwei Register im Diskant. Ein Tutti und ein Schweberegister, dass an den Klang einer Geige erinnert. Der Bass geht von F bis C2 und klingt schön satt. Erwartungsgemäß ist es etwas anspruchsvoll gleichzeitig eine Bassbegleitung zu spielen und den Balg zu steuern. Das Problem hat Luttbeg mit einer gebogenen Tastatur und einer im Balgriemen eingebauten Handschleife gelöst.

Die ausgebissenen Basszähne haben wir dann selbst restauriert 😉.

Inzwischen gehört es mir und ich bin noch beim Erforschen, wie es am besten gespielt werden kann. Es ist jedenfalls jedes Mal eine Reise in eine andere Zeit.

Herzliche Grüße

Barbara Bertram

2 Kommentare

  1. Ralf Kaupenjohann

    Ein sehr seltenes Einzeltonakkordeon, mit dem man aber wegen des beschränkten Tonumfangs auf der Bass-Seite nicht viel spielen kann. Aber einiges an Anfänger-Literatur sollte funktionieren. Vielleicht passen die Werke von Lajos Pass gut: https://www.augemus-shop.de/urheber/komponisten/lajos-papp/148/vierundvierzig-leichte-stuecke und https://www.augemus-shop.de/urheber/komponisten/lajos-papp/149/der-muede-hampelmann. Probeseiten sind vorhanden.

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  2. Barbara Bertram

    Oh, vielen Dank für den Tipp, das schaue ich mir gerne an. . Stimmt schon, der kleine Tonumfang im Bass zwingt dazu viel zu oktavieren oder einfach Begleitungen mit zerlegten Akkorden oder Bordun dazu zu spielen. Sehr spannend!

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