28. April 2022

Lesezeit: 7 Minute(n)

Ausprobiert- Bericht

Meine ersten Eindrücke vom HDS Pro.Sound.2

Manchmal freut man sich schon auf Weihnachten, aber dieses Mal war es Ostern, was ich voller Vorfreude erwartete. Und pünktlich zum Fest kam auch tatsächlich das ersehnte Paket mit meinem HDS Pro.Sound.2 – sozusagen als besonderes Ostergeschenk an mich selbst.

Fabio Furia

Als kurze Vorinformation möchte ich sagen, dass ich dem MIDIfizierten Akkordeon lange sehr skeptisch gegenüberstand. Seit meinem Studium in Trossingen hatte ich den Klang der Hohner- Vox- Instrumente im Kopf – der Sound war für die damalige Zeit ganz nett, aber das war es dann auch schon.

Außerdem mag ich es überhaupt nicht, wenn mein Akkordeon mit irgendwelchen Anbauten verunstaltet wird. Also blieb ich bei der Naturversion meiner Instrumente.

MIDI und ich

Vor ein paar Jahren hat mir dann ein befreundeter Musiker seine Beltuna mit kompletter HDS- MIDI- Technik und einem kleinen, mir bis dahin unbekannten Soundmodul ausgeliehen. Eigentlich wollte ich ja nur das Akkordeon testen, war aber dann von dem HDS Pro.Sound.1 so begeistert, dass ich nicht mehr davon wegkam. Als bekennender Oberkrainer- Fan schreibe ich meine Noten stets aus den Originalaufnahmen heraus, inklusive aller Stimmen. Dies konnte ich nun mit diesem genialen Pro.Sound.1 im Originalklang reproduzieren. Kurz und gut: Ich habe mir eigene Oberkrainer- Performances gebastelt, einmal mit Trompete und Klarinette dabei, einmal nur mit Akkordeon im Vordergrund. Alle meine Aufnahmen kamen den Originalen ziemlich nahe.
Kurze Zeit später kaufte ich mir dann auch ein Akkordeon mit HDS- Technik und natürlich das Soundmodul. Danach habe ich sogar noch meine Zupan Alpe IV bei HDS komplett mit Mikros und MIDI ausstatten lassen. Und das Schöne: Bei HDS sieht man von außen rein gar nichts, meine heiß geliebte Alpe IV sieht immer noch wunderschön aus!

Ostergeschenk auspacken

Mit dieser positiven Erfahrung im Kopf öffne ich nun den Karton des neuen Pro.Sound.2. Kann dieses Soundmodul meine Musik noch aufwerten, ist eine Verbesserung überhaupt noch möglich?
Geliefert wurde mir ein kompaktes Gerät in halber Rackgröße. Die solide Verarbeitung ist bei HDS Standard, nichts wackelt oder scheppert.

Vorderseite

Der Pro.Sound.2 wirkt schon etwas aufgeräumter als der Vorgänger. Besonders fallen das große Display und das Drehrad mit einer Push- Funktion auf. Dadurch kann man die Performance, sprich die Gesamteinstellungen für eine gewünschte Band oder Besetzung, blitzschnell einstellen und durch Druck auf das Rad auch einfach verändern.

Fabio Furia

Auf der Vorderseite befinden sich sonst nur noch der Power- Schalter, der Lautstärkeregler und die Knöpfe für Reverb, Effekt, das Menü und Exit. Auch an einen Kopfhörer- Ausgang an der Front wurde gedacht – nicht wie bei manchen Geräten hinten –, dadurch können wir Musiker auch mal mitten in der Nacht spielen, wenn wir gerade eine neue Idee haben …

Rückseite

Auf der Rückseite befinden sich außer dem Anschluss für das Netzteil zwei USB Anschlüsse – einmal direkt für den Anschluss an den PC und einmal für einen USB- Stick. Auf diesem kann man z. B. die Performance- Einstellungen speichern. Auch die MIDI- Files und die MP3- Dateien werden von hier aus geladen. Die drei üblichen MIDI- Ports In, Thru und Out findet man natürlich auch. Im Normalfall brauchen wir allerdings nur den MIDI- In- Port, um die HDS- Adapterbox bzw. eventuell auch hier aus einem PC- Programm das Sound- Modul anzusteuern. Die Pedale zum Bedienen mit den Füßen lassen sich über die Anschlüsse SUST und EXPR anschließen. So kann man z. B. das Bariton auf kurz oder lang umstellen. Die Hauptanschlüsse sind natürlich die Ausgänge, logischerweise in 6,3 mm Stereoklinke.
Das war es von außen, nun geht es ans Anschließen.

Anschluss

Zuerst schließe ich meine Alpe IV per Kabel an die Adapterbox an. Damit werden bei HDS die Mikrofonsignale nach außen geführt und das MIDI- Signal übertragen. Die Mikrofone von HDS sind übrigens nur zu empfehlen – vorbei die Zeit, in der man sich als Akkordeonspieler nicht vom Mikrofon wegbewegen durfte: Das komplette Klangspektrum auf beiden Seiten wird in traumhafter Weise übertragen. Und das ohne Rückkopplungen.
Weiter geht es mit der Verkabelung: Stromanschlüsse an beiden Geräte nicht vergessen, das MIDI- Kabel von der Adapterbox (MIDI- Out) zum Pro.Sound.2 (MIDI- In) hochziehen und die Klinkenkabel an den Ausgang anschließen. Jetzt kommt der spannende Moment: Einschalten.

Erster Start

Der Pro.Sound.2 startet im Performance- Modus, d. h., man kann als Musiker sofort loslegen. Beim Vorgänger musste man erst etwas warten, bis er hochgefahren war, und danach umschalten auf Performance. Hier geht es blitzschnell. Im übersichtlichen Display sieht man dann die unterschiedlichen Performances.
Kurz zur Erklärung: Eine Performance ist eine Klangbelegung, bei der auf unterschiedlichen Kanälen verschiedene Instrumente gespeichert und mit Effekten versehen sind. So kann der Akkordeonspieler der rechten Hand z. B. drei Instrumente zuordnen. Ich wähle meistens Akkordeon, dazu eine Trompete (nur die Unterstimme) und eine Klarinette (nur die Oberstimme). Damit habe ich rechts bereits den perfekten Oberkrainer- Sound. Das lässt sich natürlich auf jede andere Stilrichtung übertragen.
In der linken Hand ist es zu Beginn etwas komplizierter, aber wirklich nur am Anfang. Auf den Grund- bzw. Terzbass legt man ein Baritonhorn oder einen Kontrabass, auf die Akkorde eine Gitarre (und die war beim HDS schon immer der Hammer!). So weit, so gut. Aber jeder Oberkrainer- Fan bzw. jeder gute Musiker weiß, dass die Gitarre ja auch auf den Hauptschlägen spielt, zusammen mit dem Bass. Also legen wir auf die Bässe vom Akkordeon noch eine Gitarre dazu. Fertig! Gott sei Dank gibt es schon fertige Belegungen, sodass dies erst einmal entfällt. Aber das Soundbasteln macht riesigen Spaß, weil jeder Musiker seine eigenen Vorstellungen hat, und genau diese kann man hier relativ einfach und klanglich genial umsetzen.

Soundcheck

Ich habe einmal die zweite Performance Oberkrainer Trio  1 ausgewählt. Wow! Das Akkordeon klingt hier digital so schön wie meine Zupan. Das Bariton fetzt richtig, und die Gitarre ist präsent wie gewohnt. Insgesamt erscheinen mir die Klänge druckvoller und noch feiner aufgenommen als beim Vorgänger, und es macht einfach viel Freude zu musizieren. Die Auswahl ist enorm groß. Hier eine kleine Auswahl:

  • Salonorchester
  • Kirchenorgel
  • Country „Lonely Cowboy“
  • Tango 1 – für französische Musik
  • Zirkus Renz – da braucht man kein Orchester mehr dazu
  • Stubenmusi 1 – für die Fans der alpenländischen Musik
  • Schürzenjäger – der Timple- Boarischer lässt grüßen – Druck im Bass ohne Ende
  • Swinging Sax – Sail along silv’ry moon – wunderbare Saxofone
  • Swinging Trumpet – James Last
  • Blasmusik 1 – hiermit geht Ernst Mosch ziemlich gut
  • Oberkrainer 1 + 2 – hier geht etwas – die Bläser sind genial
  • Zillertaler – perfekt für den Hochzeitsmarsch – mit Geigen etc.
  • Stoanis – erklärt sich selber – klingt voll schön
  • Akkordeon Natur – wahnsinnig, klingt traumhaft
  • Steirische Natur – rechts richtig gut, links die Bässe sind überzeugend
  • Empty Perf – hier hat man Platz, die eigenen Performances zu speichern

 

Richtig gut gelöst, z. B. für einen Live- Auftritt, ist die Push-Funktion des Drehrads. Spiele ich mit Live- Musikern zusammen, kann ich ganz schnell gewisse Instrumente abschalten. Vor Kurzem hatte ich nur eine Trompete und eine Klarinette zur Verfügung. Kein Problem: Der Rest, außer das Akkordeon, kam dann in perfekter Qualität vom Pro.Sound.2.
Das Umschalten der Performance per Fußpedal ist im Moment noch nicht möglich, das ist aber sicher nur eine Frage der Zeit. So kann man eine mit Bläser und eine mit Akkordeon Solo nebeneinanderlegen und ganz locker im Spiel umschalten.
Die Auswahl an verschiedenen Akkordeons bzw. Steirischen ist schon enorm, und die Klangqualität der Aufnahmen erst recht. Hier eine Auswahl an Akkordeon- Instrumenten:

  • Oberkrainer Akkordeon 1 – vermutlich eine schöne Morino
  • Akkordeon 2- chörig
  • Akkordeon 3- chörig
  • Steirische- SLO – slowenischer Klang
  • Steirische- VxM – Volksmusik- Klang
  • Steirische- A – österreichischer Klang

Auswahl an Gitarren – hier wird mit fertigen Samples gearbeitet – klingt wie das Original:

  • akustische Gitarre
  • Jazz- Gitarre – richtig gut
  • verschiedene andere

Auswahl an Bässen:

  • Bariton – kurze und lange Versionen – das Instrument geht ab ohne Ende!
  • Bass- Posaune
  • SynBariton – für Zillertaler Schürzenjäger
  • SynthBass – richtig mit Druck

Auswahl an Diskant- Instrumenten (für die rechte Hand):

  • Oberkrainer- Trompete – noch besser
  • Oberkrainer- Klarinette – Wahnsinn
  • Hackbrett
  • Zither

Neben diesen HDS- eigenen Sounds steht natürlich noch die komplette Palette der GM- Instrumente zur Verfügung. Damit ist wirklich alles möglich! Und wenn wir schon dabei sind: Es laufen sogar MIDI- Files, die GM- kompatibel sind (General- MIDI).

Das Abspielen von MIDI- Dateien

Auch hier wurde beim Pro.Sound.2 perfekt weitergedacht. Manche Musiker nehmen als Unterstützung zum Livespiel sogenannte Halbplaybacks in Form von MIDI- Dateien. Wenn man diese auf einem USB- Stick speichert und hinten einsteckt, kann man sie sofort und ohne Probleme abspielen. Und auch hier hat mich der Klang wieder begeistert, selbst wenn ich es persönlich gar nicht verwende.
Das Abspielen von MP3- Dateien funktioniert genauso wie bei MIDI über den USB- Stick.

 

Fazit
  • neue ausdrucksstarke Klänge
  • gute vorhandene Performance
  • einfachere Bedienung
  • schön kompakt
  • Spielspaß pur
Wünsche
  • mehr vorgefertigte Performance
  • noch mehr Performance- Speicherplätze (ist laut HDS in Bearbeitung)
  • kopieren einer vorhanden Performance zum Verändern (kommt noch)
  • einzelne Performance speichern und vom USB- Stick herunterladen
  • Soundwechsel über externes Pedal

Zusammenfassung

Insgesamt ist HDS wieder ein Megawurf gelungen. Ein Soundmodul, das nicht nur für Oberkrainer- Fans geeignet ist, sondern auch durch die GM- Sounds, jede Art von Midi- Sequenzen abspielen kann. Auch die Möglichkeit einer Nutzung als MP3- Player, für manche Musiker evtl. als Halbplayback, ist problemlos möglich. Die Bedienung wurde durch das große Display und den Drehknopf sehr stark vereinfacht. Klanglich spielt für mich dieses Modul in der ersten Liga mit, die neuen HDS- und GM- Sounds sind druckstark und machen einfach Spaß.
Für Klangbastler bietet sich hier eine unendliche Auswahl an Möglichkeiten in absolut jede Richtung.

Kontakt:

https://www.hdsmusic.de/unsere-produkte/hdsprosound

HDSmusicTM e.K.
Inhaber: Franz Schmid
Hauptstr. 29
86925 Leeder / Fuchstal
Tel. +49 (0) 8243 / 99 36 930

e-mail: info@hdsmusic.de
www.hdsmusic.de

Autor:

GERD CLAUSS
Studierter Musiklehrer ( Trossingen, Stuttgart) mit den Hauptinstrumenten Akkordeon und Klavier. Oberkrainer- Fan mit dem Hang zur originalen Aufführung dieser Stücke. Er spielt selbst mehrere verschiedene Instrumente und ist in vielen musikalischen Richtungen zu Hause. Von der Kirchenorgel über das Baritonhorn liebt er alle Arten der handgemachten Musik. Beruflich ist Gerd Clauss Musiklehrer an einem Gymnasium, zudem unterrichtet er an seiner Musikschule und leitet Chöre und Orchester.

Gerd Clauss

Finkenweg 3

72654 Neckartenzlingen

Tel.: 07127 23034

info@musikschule-clauss.de

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