Marcos Coll

Ronsel (Galileo Records)

7. September 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

Die Mundharmonika hat hierzulande einen sehr widersprüchlichen Ruf. Für die einen ist sie der instrumentgewordene Blues, cool, ein bisschen mystisch gar, für die anderen die Verkörperung von Spießbürgertum, Freddie Quinn und Seemann-komm-bald-wieder-Schmonzetten. Marcos Coll, Berliner mit Wurzeln in Galicien, ist ein Meister an der Mundharmonika, und das schon seit vielen Jahren und Alben. Mit Ronsel legt er nun sein neuestes Werk vor, das in elf Songs zeigt, dass die Mundharmonika tatsächlich doch vor allem eines ist – nämlich cool. Er bietet eine sehr interessante Mischung aus Blues und Latin-Rhythmen an, die erstaunlich gut funktioniert. Was nicht zuletzt auch an der Begleitung am Mikro liegt, denn wenn Charlie Musselwhite etwa „If I go to Santiago“ nuschelt, dann ist das die Verbindung von Baumwollfeld und südamerikanischer Leichtigkeit. Für den Song spielte Musselwhite auch Mundharmonika. Coll wiederum singt ebenfalls, etwa bei „Un qué sé yo“, bei der Jairo Zavala eine herrliche Twang-Gitarre einsetzt, während die Rhythmen von Percussionist Martín Bruhn sofort in die Beine gehen. Das im Februar 2026 in Madrid eingespielte Album macht Spaß, weil es auf eine Art einzigartig ist. Aber bei aller Einzigartigkeit auch den Song nicht vergisst. Und wenn Javier Collado bei „Trigo fresco“ den Heldentenor auspackt, während es musikalisch geradezu sanft zugeht, ist das ein weiterer Hinweis auf die große Bandbreite des Ensemblerepertoires.

Wolfgang Weitzdörfer

<em>Ronsel </em> (Galileo Records)
Marcos Coll
Ronsel (Galileo Records)

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