Marie Spaemann & Christian Bakanic – Metamorphosis

Christina M. Bauer

Als Chefredakteurin des akkordeon magazins habe ich mich von Juli 2019 bis Mai 2021 um die inhaltliche Seite unserer Zeitschrift gekümmert. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Interessantes und Neues sich in einer speziellen Szene wie der des Akkordeons tut.

21. Juni 2021

Lesezeit: 2 Minute(n)

Preiser Records, 2020

Marie Spaemann & Christian Bakanic - Metamorphosis

Es ist nicht erst seit gestern, dass Christian Bakanic und Marie Spaemann an Akkordeon und Cello im Duo musizieren. Dass sie das über die Jahre aufgebaute Repertoire von Originalstücken nach vielen Konzerten auf einem Album veröffentlichen ist allerdings eine Novität. Eine, die es sich für Fans von modernem Jazz mit klassischen Anklängen und Elementen von Pop bis Tango jedenfalls zu hören lohnt!

Christian Bakanic (*1980) aus Österreich absolvierte in Graz ein Akkordeonstudium an der Kunstuniversität, lernte dort von Janne Rättyä, James Crabb und Geir Draugsvoll. Neben Solokonzerten spielt er in eigenen Ensembles wie Beefólk, Trio Infernal und Folksmilch sowie mit verschiedenen internationalen Künstlern. Cellistin und Singer-Songwriterin Marie Spaemann (*1988) trat ihrerseits bereits mit Orchestern wie der Norddeutschen Philharmonie und den Zagreber Philharmonikern auf, mischte als Solistin im Filmmusikspektakel The World of Hans Zimmer mit. Im Jahr 2019 veröffentlichte sie ihr eindrucksvolles Solo-Debut Gap, das sie allein mit Stimme, Looper und Cello gestaltete.

Vom ersten der zehn nun von den beiden im Duo eingespielten Stücke an macht sich eine der Feinheiten bemerkbar, die diese Musik besonders auszeichnen: ausgefeilte Rhythmik. Das gilt fürs Akkordeonspiel von Bakanic, der nicht zuletzt ein gut eingespielter Tangokünstler ist, und gleichermaßen für das einfallsreiche Cellospiel von Spaemann, die sowohl mit dem Bogen als auch beim Pizzicato knackige Staccato-Melodien und temperamentvolle, präzise abgestimmte Begleitakkorde zaubert (Oscar’s Dream, Metamorphosis, u.a.). Die gelegentliche eingewobene Percussion (Metamorphosis, Ideocello) an der Cajon ist eine ausgezeichnete Ergänzung, und im gesamten Repertoire werden Akkordeon und Cello selbst immer wieder per Slaptechnik als Rhythmusinstrument verwendet.

Zart, fragil und bisweilen melancholisch zeigen sich die beiden Musiker passagenweise ebenfalls (Buttertango, Milonga Lenta, u.a.), und das in genauso gelungener Form. Neben reinen Instrumentalstücken ergänzt Spaemann in ausgewählten Songs ihren warmen, nuanciert modulierten Gesang. In einzelnen vokalistischen Passagen ohne Lyrics bringt sich außerdem Bakanic als zweite Stimme mit ein. Kontrastreich, klangschön, dynamisch und voller spannender Facetten – dieses Duo-Debüt ist eine Zier in jeder modernen Jazzsammlung!

Foto: Julia Wesely

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