Münchner Kammerorchester spielt Nina Šenk

Krassimir Sterev glänzt als Solist

7. Juli 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

Das Münchner Kammerorchester mit Dirigent Bas Wiegers präsentierte am 4. Juli ein spannendes Porträtkonzert mit Werken der slowenischen Komponistin Nina Šenk. Krassimir Sterev konnte bei „Flux“ als Solist am Akkordeon glänzen. Mit „Figurines in the Dust“ wurde ein neues Werk voller Kontraste uraufgeführt.
Text und Fotos: Christina M. Bauer

Einmal mehr fand sich das Münchner Kammerorchester am 4. Juli in der Rotunde der Pinakothek der Moderne in München ein. Bereits seit fast einem Vierteljahrhundert finden dort die Porträtkonzerte der Reihe „Nachtmusik der Moderne“ statt. Mit Nina Šenk wurde dieses Mal eine junge slowenische Komponistin gewürdigt, die immer wieder auch kammermusikalische und orchestrale Werke für Akkordeon verfasst. Nach einem einleitenden Gespräch mit Dirigent Bas Wiegers über ihren Werdegang, ihre kompositorischen Ideen und Herangehensweisen interpretierte das Orchester in der gut besuchten Rotunde drei ausgewählte Werke.

Komponistin Nina Šenk mit dem Münchner Kammerorchester

Die Komposition „Chant“ entfaltete anfangs nach und nach Spannung im aufeinander abgestimmten Wechselspiel der dräuenden tiefen und der lichten hohen Streicher. Elegant gelangen dem Orchester die Kontraste zwischen sehr zarten, fast gläsern wirkenden Passagen und dem darauffolgenden strukturierten, orchestrierten Sturm. Mit viel Feinsinn wurden Abstufungen in der Dynamik und dramaturgische Übergänge interpretiert. Aus dem insgesamt sehr gemessenen und balancierten Gefüge der Stimmen im Orchester schälten sich immer wieder die erste Violine, die erste Viola und das erste Cello mit bezaubernden Kantilenen heraus. Atmosphärisch zeigte sich der Dialog zwischen Cello und Violine gegen Ende der Komposition, die das gesamte Orchester schließlich in einem silbrigen, schwebenden Zusammenspiel ausklingen ließ.

Für „Flux“ fand sich Akkordeonsolist Krassimir Sterev mit einer etwas kleineren Orchesterbesetzung auf der Bühne ein. Ein dräuender Solopart am Akkordeon mit Akzenten im Bassbereich kontrastierte zunächst abwechselnd mit den hohen und tiefen Streichern des Orchesters und baute Spannung auf. Die Solisten Anders Nyqvist an der Trompete und Christoph Walder am Horn spielten sich aus der Ferne hinzu, bevor sie sich ebenfalls auf der Bühne einfanden. Solisten und Orchester verdichteten aus gemessenen, balancierten Passagen heraus die Musik nach und nach zu einem kontrastierenden, strukturierten Chaos. Sterev gelang am Akkordeon elegant der fortwährende Wechsel zwischen virtuosen, hervorgehobenen Passagen und verhaltenem Spiel bis hin zum dezenten Einweben von Klangflächen ins Orchester. Wie bei Walder und Nyqvist die Dämpfer fanden bei ihm die Kinnregister rege Verwendung und erweiterten das eingesetzte breite Spektrum an Klangfarben. Die Solisten an Horn und Trompete gingen schließlich von der Bühne und waren erneut von fern zu hören. Nach einer sensiblen, den Streichern dezent auf die Saiten gezeichneten Orchesterpassage klang die Komposition mit einer dräuenden Basspassage von Akkordeon und Horn aus.

Nina Šenk im Gespräch mit Dirigent Bas Wiegers

Zum Abschluss des Konzertes wurde das Auftragswerk „Figurines in the Dust“ uraufgeführt. Hier waren es wieder Streicher des Orchester selbst, die Soloparts übernahmen. Zunächst aber hob die Musik im reflektierten ersten Satz der viersätzigen Komposition mit einem gleichmäßigen Zusammenspiel aller Orchesterstimmen an. Die darauffolgenden Sätze entfalteten Spannung im Gegenüber ganz verhaltener und rasant aufbrausender Passagen, samt einem anspruchsvollen Solopart für die erste Violine. Gegen Ende des Werks fand das Orchester in eine sehr atmosphärisch gespielte, von sich fortwährend wiederholenden kleinen Motiven bestimmte Passage, bis es die Musik grazil entschweben ließ. Ein gelungenes Konzert voller Kontraste, bei dem sich auch die Komponistin von der Interpretation sichtlich erfreut zeigte.

Akkordeonsolist Krassimir Sterev beim Konzert in der Münchner Pinakothek der Moderne am 4. Juli 2026

Foto: Christina M. Bauer

Christina M. Bauer | Redaktionsleiterin

Ich bin Redaktionsleiterin für die Jahresausgabe akkordeon magazin 2026 und akkordeon.online Als freiberufliche Musikjournalistin arbeite ich mit Verlagen, Zeitschriften, Zeitungen und Onlinemedien. (Foto: Fotostudio Belichtungswert)

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