Weltreise mit Geburtstagslied (Folge 2)

Peter M. Haas

Hallo liebe Musikfans aller Geschlechter! Ich lebe in Berlin, spiele und unterrichte Klavier, Akkordeon, Bandoneon, habe viele beliebte Musikbücher veröffentlicht und mit meiner website eine wichtige Info-Zentrale für Fragen zum Akkordeon geschaffen. Dem akkordeon magazin bin ich seit dem Gründungsjahr (vor jetzt bald 80 Ausgaben – Glückwunsch!) freundschaftlich verbunden.

29. August 2020

Lesezeit: 3 Minute(n)

Weltreise mit dem Geburtstagslied (Folge 2)

Balkan Version

Die Rhythmen

Wir werden nacheinander zwei Rhythmen benutzen: den zögernd schreitenden „terkishen“ Rhythmus (Bild 1) und die schnelle Sirba (Bild 2). Oft findest du bei überlieferten osteuropäischen Tanzstücken Melodienfolgen in dieser Kombination: erst ein sehr langsamer Rhythmus mit schwermütiger Melodie, als ob alle Tänzer zum Weinen gebracht werden sollen, dann ein kräftiger, schneller Tanzrhythmus, wie zum Beispiel die rasante Sirba.

Verzierungen

Für unsere Melodie werden zwei Elemente stilprägend sein. Das eine sind die schweren Pralltriller auf manchen Melodietönen. Sie werden nicht vor dem Akzent gespielt, wie man es bei Vorschlagnoten zum Beispiel im Blues macht, sondern schwer auf dem Akzent (Bild 3). Das andere Element ist das Ineinanderschlierenlassen der Töne – das klingt viel spannender, als wenn du versuchen würdest, die Töne als „klassische“, sauber abgetrennte Sechzehntelnoten zu spielen. Du kannst sogar sofort beide Töne gleichzeitig spielen, um anschließend den „falschen“ Ton schnell wieder loszulassen (Bild 3b).

Eine besondere Tonleiter

Die Tonleiter, die ich unserem Stück zugrunde lege, hat viele Namen, auf Griechisch, Türkisch, Yiddisch … Ich nenne sie am liebsten einfach „Balkan-Moll“ (Bild 4). Es ist eine ausdrucksvolle Tonleiter, unbekannt in der westeuropäischen Musiktradition, die eigenartig zwischen unserem Dur und unserem Moll liegt. Diese Leiter hat D-Moll als Tonika, aber gegenüber unserem Moll mehrere erhöhte Intervalle: Die Sexte ist groß (statt der etwas drückenden Sexte im klassischen Moll) und die Quarte ist zur übermäßigen Quarte erhöht. Du wirst diese Leiter in vielen osteuropäischen Melodien wiederfinden.

Unsere Melodie wird verkleidet

Unsere „Happy Birthday“-Melodie ist ja eigentlich eine Walzermelodie. Für jeden Viervierteltakt muss man rhythmisch etwas daran rücken (Bild 5). Auf diese Weise erklingt die Melodie – leicht erkennbar für jedermann – im F-Dur-Mittelteil unseres Stückes. Im D-Moll-Teil am Anfang habe ich die Melodie weiter verändert. Damit die Wirkung besonders schön ist, habe ich den ersten Melodiebogen gespiegelt – er verläuft also abwärts statt aufwärts (Bild 6 – 6a) – und dazu mit schnörkelartigen Verzierungen versehen (Bild 6b).

Ich finde das Resultat superschön gelungen und hoffe, es gefällt auch euch!

Liebe Freundinnen und Freunde des Akkordeons,

willkommen zu Folge 2 unseres Workshops. Unsere Unternehmung: Eine Melodie, die jeder kennt, in verschiedenen Fassungen rund um die Welt schicken. Das Lied ist das bekannte „Zum Geburtstag viel Glück“ („Happy Birthday To You“). Es wird voraussichtlich sechs Stationen geben; zum Schluss wird aus den einzelnen Folgen ein zusammenhängendes Weltreise-Geburtstags-Medley entstehen, das ihr – wenn ihr Lust dazu habt – als attraktives kleines Konzert auf der Geburtstagsfeier einer Freundin oder eines Freundes aufführen könnt.

Nach dem Musette-Walzer in Folge 1 geht es in dieser zweiten Folge nach Osteuropa: Wir basteln eine Version im Stil der ostjüdischen Klezmer-Musik.

Dieser Artikel erschien ursprünglich als Teil einer Workshop-Kolumne im akkordeon_magazin.

Der vollständige Workshop – mit einigen Ergänzungen – wurde inzwischen von Peter M. Haas als  prächtig ausgestattete Geburtstagslied-Broschüre herausgegeben:

HAPPY BIRTHDAY – Mit dem Geburtstagslied rund um den Globus

44 Seiten, Paperback im professionellen Digitaldruck, teilweise 4farbig
18,80 EUR
Verlagsnr. PMH 1011

Hier zu bestellen

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