Cesare Chiacchiaretta

Poesie und Virtuosität

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28. Oktober 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

In Pesaro, der Stadt von Gioachino Rossini, schlägt das kreative und Dozentenherz von Cesare Chiacchiaretta. Hier unterrichtet der Ausnahmemusiker am Konservatorium und genießt es, technische sowie musikalische Probleme gemeinsam mit seinen Studierenden zu lösen. Doch der Wirkungskreis des Künstlers reicht weit über diese Umgebung hinaus: Als international gefragter Akkordeonist und Bandoneonist verbindet er eine glanzvolle weltweite Konzertkarriere mit einem tiefen, ausdrucksstarken Verständnis für die vielfältigen Facetten seiner Instrumente.
Text: Klaus Härtel; Fotos: Mirko Scolaro, Treetone

Der vielseitige Künstler Cesare Chiacchiaretta, geboren im italienischen Chieti, widmete sich schon in jungen Jahren dem Akkordeon. Seine musikalische Ausbildung führte ihn zu Maestro Claudio Calista an die Musikakademie von Pescara sowie an das Konservatorium Niccolò Piccinni in Bari, wo er im Jahr 1995 sein Diplom mit Auszeichnung absolvierte. Es folgten Studien bei internationalen Größen wie Max Bonnay am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris, bei Vladimir Zubitsky und Mogens Ellegaard an der Royal Danish Academy of Music in Kopenhagen sowie ein Kompositionsstudium bei Pasquale Veleno.

Akkordeon und Bandoneon

Auf die Frage, was ihn im direkten Vergleich an seinen beiden Instrumenten am meisten fasziniert, erklärt er: „Meine erste Liebe ist das Akkordeon, und ich schätze sehr, wie dieses Instrument sowohl Jazz als auch klassische Musik oder Rockmusik spielen kann. Das Akkordeon ist eines der flexibelsten und eklektischsten Instrumente überhaupt.“ Über das Bandoneon sagt er: „Was das Bandoneon betrifft, so fasziniert mich, wie dieses kleine Instrument eine so große Persönlichkeit und einen so wundervollen Klang besitzen kann. Für mich ist es jedes Mal aufs Neue eine Überraschung zu sehen, wie das Bandoneon auf der Bühne für das Publikum wirklich am faszinierendsten ist.“ Diese Einschätzung teilt auch die internationale Fachpresse, in der „sein hinreißendes Bandoneonspiel“ oder „seine beeindruckende expressive Bandbreite“ hervorgehoben werden.

„Das Akkordeon ist eines der flexibelsten und eklektischsten Instrumente überhaupt.“

Sein Aufstieg begann früh. Bereits 1991 war er der einzige italienische Repräsentant beim Coupe Mondiale der Confédération Internationale des Accordéonistes. Er vertrat Italien 1993 beim Trophée Mondial der Confédération Mondiale de l’Accordéon und gewann im selben Jahr beim Premio Internazionale della Fisarmonica in Castelfidardo den ersten Preis in der Hauptkategorie Classical Premio. Rückblickend bezeichnet er diesen Erfolg im Alter von 20 Jahren als sehr eindrucksvoll: „Dieser besondere Augenblick veränderte mein Leben, weil ich die Verantwortung spürte, diesen Erfolg zu bestätigen.“ Inzwischen blickt er auf über 2000 Konzerte in 50 Ländern weltweit zurück.

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Sein Aufstieg begann früh. Bereits 1991 war er der einzige italienische Repräsentant beim Coupe Mondiale der Confédération Internationale des Accordéonistes. Er vertrat Italien 1993 beim Trophée Mondial der Confédération Mondiale de l’Accordéon und gewann im selben Jahr beim Premio Internazionale della Fisarmonica in Castelfidardo den ersten Preis in der Hauptkategorie Classical Premio. Rückblickend bezeichnet er diesen Erfolg im Alter von 20 Jahren als sehr eindrucksvoll: „Dieser besondere Augenblick veränderte mein Leben, weil ich die Verantwortung spürte, diesen Erfolg zu bestätigen.“ Inzwischen blickt er auf über 2000 Konzerte in 50 Ländern weltweit zurück.

Er konzertierte als Solist mit renommierten Klangkörpern wie dem Orchester des Radio della Svizzera Italiana, den Moskauer Virtuosen, der Badischen Philharmonie, den Kiewer Philharmonikern, dem Vox Aurae Orchestra unter der Leitung von Leo Brouwer, den Solisti Aquilani und unzähligen mehr.

Künstlerische Begegnungen

Ein unvergesslicher Meilenstein seiner Laufbahn war zudem die Zusammenarbeit mit Riccardo Muti am Teatro dell’Opera di Roma, wo er mit dem Cherubini-Orchester Musik von Nino Rota aufführte. Über diese Begegnung berichtet Chiacchiaretta voller Bewunderung: „Riccardo Muti ist ein unglaublicher Musiker, nicht nur ein Dirigent. Es hat mich zutiefst beeindruckt, wie ein einzelner Mann 60 Personen in seinen Händen halten kann. Es bedurfte nur weniger Worte, und schon entstanden Klang und Musik.“ Neben Muti arbeitet er regelmäßig eng mit renommierten Partnern wie Gitarrist Giampaolo Bandini, Klarinettist Corrado Giuffredi und Pianist Filippo Arlia zusammen. Zu seinen kammermusikalischen Kooperationen zählt außerdem das langjährige Akkordeonquartett Accord’Ance. Im Ensemble mit dem legendären Violinisten Fernando Suárez Paz – einem langjährigen Weggefährten von Astor Piazzolla – ging er 2008 und 2017 auf Tournee. Die gemeinsame CD-Einspielung wurde mit dem renommierten Orpheus Award (Kritikerpreis) ausgezeichnet – eine Ehrung, die Chiacchiaretta insgesamt dreimal entgegennehmen durfte.

Eng verbunden ist sein Name mit dem Werk von Astor Piazzolla, für dessen Verbreitung er 2011 mit dem Astor Piazzolla Award ausgezeichnet wurde. Kritiker feiern seine Interpretationen regelmäßig als leidenschaftlich und virtuos – so etwa beim Doppelkonzert für Bandoneon und Gitarre, bei dem er das Publikum und Orchester förmlich mitriss. Chiacchiaretta erzählt begeistert: „In Piazzollas Musik sieht man sein Leben und die Einflüsse verschiedener Länder. Seine Eltern stammten aus Italien – Melodie- und Belcanto-Einflüsse – , seine Kindheit verbrachte er in New York – Improvisation und Jazzakkorde -, seine Studien absolvierte er in Paris – die Haltung zur klassischen und zeitgenössischen Musik – und natürlich den Tango. Ich denke, Piazzollas Musik ist etwas Besonderes, eine perfekte Mischung, ein neuer Genrestil, aber durchdrungen von so vielen Einflüssen.“

„Für mich ist es jedes Mal aufs Neue eine Überraschung zu sehen, wie das Bandoneon auf der Bühne für das Publikum wirklich am faszinierendsten ist.“

Foto: Treetone

Neben seiner intensiven Konzerttätigkeit machte sich Chiacchiaretta auch als Komponist einen Namen: Seine Werke wurden unter anderem vom Nationalen Präsidialorchester der Ukraine, dem Zagreb Symphony Orchestra und dem Orchestra Filarmonica Marchigiana in renommierten Konzertsälen weltweit aufgeführt. Seine Expertise als Dozent teilt er in Meisterkursen an etablierten internationalen Adressen, darunter die Loyola University in Los Angeles, das Konservatorium in Peking, die Musikakademie in Zagreb und das Konservatorium in Luxemburg. Darüber hinaus schließt sich für ihn ein Kreis in Castelfidardo: Nachdem er dort einst selbst als Preisträger glänzte, fungiert er heute als künstlerischer Leiter des renommierten Wettbewerbs Premio Internazionale della Fisarmonica.

„Riccardo Muti ist ein unglaublicher Musiker, nicht nur ein Dirigent. Es hat mich zutiefst beeindruckt, wie ein einzelner Mann 60 Personen in seinen Händen halten kann.“

    Auch für die Zukunft sprüht der Musiker vor kreativen Ideen. Er plant ein neues Doppelkonzert als Komponist, das zurzeit noch in seinen Gedanken reift, und widmet sich weiteren spannenden Vorhaben – darunter eine Konzertreihe mit Musik von Piazzolla und Vivaldi für Bandoneon und Akkordeon sowie eine ausgedehnte Welttournee 2027 mit Stationen in China, der Türkei, den USA und Polen. Nicht zuletzt blickt er auf eine ganz besondere Ausgabe des Premio Internazionale di Fisarmonica im Jahr 2027 voraus. So wird Cesare Chiacchiaretta fraglos eine der zentralen Persönlichkeiten der italienischen und internationalen Akkordeon- und Bandoneonwelt bleiben.

    Cesare Chiacchiaretta

    Foto: Mirko Scolaro

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