Jovica Ivanović: Piazolla&Galliano

Christina M. Bauer

Als Chefredakteurin des akkordeon magazins habe ich mich von Juli 2019 bis Mai 2021 um die inhaltliche Seite unserer Zeitschrift gekümmert. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Interessantes und Neues sich in einer speziellen Szene wie der des Akkordeons tut.

23. Februar 2021

Lesezeit: 2 Minute(n)

Navona Records, 2020

Jovica Ivanović: Piazolla&Galliano

Zwei elegante Jubiläums-Repertoires präsentiert der aus Serbien stammende Musiker Jovica Ivanović. Im Dezember hatte Richard Galliano seinen 70. Geburtstag zu feiern, im März nun wäre Astor Piazolla 100 Jahre alt geworden. Den Orchesterpart auf dem Album übernimmt das Ukrainische Kammerorchester mit Dirigent Vitaliy Protasov. Astor Piazollas Konzert Aconcagua ist in einer Interpretation zu hören, die Kontraste zwischen den melancholischen, verhaltenen Parts und den dramatischen, energiegeladenen Passagen gelungen herausarbeitet. Dezent schwermütig aufgefächerte Melodik, eingerahmt von ästhetischen Streicherharmonien, ist im Moderato-Satz zu hören. Knackig demgegenüber beginnt der Presto-Satz mit einer Interaktion zwischen kapriziösem Akkordeon und den zahlreichen Pizzicato- und Staccatoparts des Orchesters. Die mit diesem für Bandoneon geschriebenen Konzert verknüpfte Frage „Bandoneon oder Akkordeon?“ wurde hier zugunsten des Akkordeons beantwortet und entsprechend ist die klangliche Gestaltung. Das Opale Concerto von Richard Galliano wird nuanciert vorgetragen, mit so viel Leichtigkeit, wie sie ein solches Konzert verträgt. Die Streicher können hier gleich im ersten Satz Allegro Furioso mit rasanten Melodieverläufen und flirrendem Staccatospiel glänzen, das Akkordeon in einem solistischen Spektrum von flötenartig zart bis zu breiten, volltönenden Akkorden, die zeitweise vom Solo in die Begleitung wechseln. Im zweiten Satz Moderato malinconico gelingt es Solist und Orchester, mit den oftmals relativ wenigen Tönen musikalisch viel mitzuteilen. Mit einem kontrastreichen Spektrum an Nuancen, Stimmungen und Klangfarben zeigt sich die Solostimme im dritten Satz Allegro energico inmitten der wechselnden Staccato- und Legato-Passagen der Streicher – und auch in den Parts, die allein das Akkordeon spielt, bis das Orchester wieder einsetzt. Fazit: zwei der interessantesten modernen Konzerte für Akkordeon bzw. Bandoneon und Orchester in einer hörenswerten Interpretation mit viel Feinsinn. Jovica Ivanović ist Absolvent der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und hat in den vergangenen Jahren verschiedentlich mit Orchestern konzertiert. Inzwischen hat er einige Werke des russischen Komponisten Vladimir Genin uraufgeführt, die dieser eigens für ihn als Solisten geschrieben hat. Das aufwendigste davon ist ein Konzert für Akkordeon und Orchester aus dem Jahr 2018.

 

Erstmals veröffentlicht in:

akkordeon magazin #78
Februar/März 2021

Fotos:

 FOTO FLAUSEN

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