Nikola Djoric: Bach&Piazolla

Christina M. Bauer

Als Chefredakteurin des akkordeon magazins habe ich mich von Juli 2019 bis Mai 2021 um die inhaltliche Seite unserer Zeitschrift gekümmert. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Interessantes und Neues sich in einer speziellen Szene wie der des Akkordeons tut.

15. Februar 2021

Lesezeit: 2 Minute(n)

Berlin Classics, 2021

Nikola Djoric: Bach&Piazolla

Wenn Künstlerinnen und Künstler aus den Balkanländern Akkordeon spielen, ist die Vermutung, dass sie das bestimmt gut können. Das Akkordeon hat dort in vielen Ländern bis heute eine intensiv zelebrierte Tradition. Wer dem aus Serbien stammenden Künstler Nikola Djoric zuhört, wird sich jedenfalls in einer solchen positiven Annahme bestätigt sehen. Er erhielt einst in Serbien mit drei Jahren den ersten Unterricht am Akkordeon und gewann als Achtjähriger seinen ersten Akkordeonwettbewerb. Inzwischen lebt der Musiker in Wien und hat sich mit nun 32 Jahren für seine neueste Einspielung ein anspruchsvolles Repertoire ausgewählt. Es sind die zwei Cembalokonzerte 1 und 7 in D-Moll und G-Moll von Johann Sebastian Bach und das Konzert Aconcagua von Astor Piazolla für Bandoneon, Streichorchester und Percussion. Den Orchesterpart übernimmt das Kurpfälzische Kammerorchester. Das bekannte G-Moll-Cembalokonzert ist in dieser speziellen Besetzung mit den charakteristischen Klangmöglichkeiten sehr hörenswert und zeigt, dass sich Barockmusik und Akkordeon bestens vertragen. Solist und Orchester harmonieren und holen aus dem Werk das Beste heraus. Das lässt sich gleichermaßen feststellen für das etwas seltener gehörte Cembalokonzert 1. Besonders in einigen der Allegro-Sätze, beispielsweise dem Allegro assai des Konzertes 7, zaubert Djoric mit einer Menge Gespür und Feinsinn rasantere Melodieverläufe, dynamische Kontraste und Verzierungen aus dem Akkordeon, dass es eine Freude ist. Eine anderer musikalischer Abschnitt schließt sich im dritten Teil des Repertoires an mit dem Aconcagua-Konzert von Astor Piazolla. Die Energie, die Tempi, die Dynamik und Dramaturgie, auch hier finden sich Solist und Orchester in stimmigem Zusammenspiel. Nun lässt sich aus verschiedenen Perspektiven sicher darüber debattieren, ob es sich empfiehlt, das fürs Bandoneon geschriebene Konzert am Akkordeon zu interpretieren oder ob man dafür nicht eventuell doch ein Bandoneon einsetzt. Andererseits ist es eines der erklärten Ziele der Einspielung, bekanntes Repertoire in einem anderen Klang zu präsentieren. Jedenfalls zeigt das Album: Wenn es Musikerinnen und Musiker zustande bringen, dieses anspruchsvolle Konzert auch am Akkordeon glänzen zu lassen, ist Nikola Djoric auf jeden Fall einer von ihnen. Der Absolvent des Konservatoriums Wien interpretiert in seinen Konzerten oft Repertoire von Barock bis Klassik am Akkordeon. Er spielte abgesehen von Orchesterbesetzungen bereits im Akkordeon-Cello Duo Arcord, im Ensemble Wien mit Orchestermitgliedern der Wiener Philharmoniker und in Kooperation mit dem Signum Saxophone Quartet. In den vergangenen Jahren hat er Werke verschiedener Komponistinnen und Komponisten uraufgeführt, etwa von Johanna Doderer, Gerd Hermann Ortler und Aleksandar Sedlar.

Erstmals veröffentlicht in:

akkordeon magazin #78
Februar/März 2021

Fotos:

Nancy Horowitz

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