Renate Jörg: »August«

Akkordeonistin Renate Jörg präsentiert erstmals ihr bisher unveröffentlichtes Stück "August".

ao+

29. September 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

Renate Jörg begann ihren musikalischen Weg mit dem klassischen Klavierspiel. Während ihres Studiums entdeckte sie das Akkordeon für sich. Dieses Instrument ließ sie nicht mehr los. Mit ihm entdeckte sie den Reichtum aller Genres der Weltmusik. Sie komponiert und musiziert besonders dann gern, wenn es ums Geschichten erzählen geht. Daher liebt sie das Musiktheater, das mit der Zeit zu ihrem bevorzugten Arbeitsfeld wurde. Die Musikerin lebt und arbeitet seit mehr als 25 Jahren in Amsterdam. Sie ging auf Theatertournee mit der Band Kaal, spielte jahrelang beim Erzähltheater De Overkant, begleitete das Kabarettduo Matroesjka, tourte mit ihrer Kindertheatergruppe Roosanne und schrieb Musik für die Hoorspelfabriek. Für ihre Solo-CD „Und schiefe Scheitel kämmt der Wind“ vertonte sie deutsche Gedichte. Die Verbindung zu ihrer Herkunft blieb also immer lebendig. Komponieren ist ein wichtiger Teil ihres musikalischen Lebens.

 

Die Musikerin über ihre Idee:

Ich schreibe gerne für das Akkordeon, manchmal maßgeschneidert für den Unterricht, oft aber auch für mein eigenes Repertoire. Weil das Akkordeon gar kein so altes Instrument ist, können die Bibliotheken noch gut gefüllt werden. Hier bei mir zu Hause liegt so manche Komposition in der Schublade und wartet auf ihren ersten Auftritt. Im Laufe der Zeit hat sich da ein Stapel gebildet mit dem Jahreszyklus, also einem Stück zu jedem Kalendermonat. Ein paar davon sind aufgenommen und wurden in verschieden Besetzungen aufgeführt. Meine Komposition zum Monat August erlebt bei akkordeon.online ihre Premiere.

Ich liebe die Natur und ein Leben, das stark mit ihr verbunden ist, also auch mit den Jahreszeiten. Wie von selbst sind die Stücke zu den zwölf Kalendermonaten entstanden. Das Motiv der Jahreszeiten ist natürlich sehr alt und war Inspiration für viele Kompositionen wie für Haydns Oratorium, Vivaldis Vier Jahreszeiten oder Piazzollas Four Seasons of Buenos Aires. Die zwölf Kalendermonate wurden ebenfalls immer wieder vertont. Tschaikowskys Jahreszeiten und Das Jahr von Fanny Mendelssohn-Hensel sind Zyklen mit jeweils zwölf Charakterstücken für Klavier solo. Es gäbe unzählige andere Beispiele. Ich schreibe fast immer Akkordeonmusik für das Stradella-Bass-System. Ich versuche dabei, die gängigen Klischees der Standardbässe zu vermeiden und das Repertoire der linken Hand sowohl rhythmisch als auch harmonisch zu erweitern. Es gibt immer noch Leute, die denken, dass Akkordeon nur “walzertauglich” ist. Dieses Vorurteil muss aus der Welt!

Zum Hintergrund des Stücks

Ich bin ein großer Fan des harmonischen Farbenreichtums des Jazz. Dadurch schleichen sich immer wieder viele Klangfarben in meine Harmonien. Eine andere Vorliebe von mir ist viel Rhythmus in der Begleitung. Das verdanke ich den unzähligen Einflüssen aus der Weltmusik. Die Basslinie am Anfang und Ende des Stückes hat sehr rhythmische Teile. Bei der Notierung habe ich vor allem zwei Dinge hervorgehoben: Die nachdrückliche Phrasierung kann eine Hilfe sein für eine gute Balgführung. Im Mittelteil, wo die linke Hand mehr als nur die Basslinie übernimmt, ist die Zusammensetzung der Akkorde sehr detailliert angegeben. Das kann das Verständnis für die Harmonien erleichtern für diejenigen, die damit bisher nicht so vertraut sind. Weil das Stück nicht in der klassischen Musikwelt, sondern mehr im Bereich Weltmusik zu Hause ist, habe ich mich mit dynamischen Anweisungen zurückgehalten. Die Harmonien führen Interpretinnen und Interpreten ganz von selbst zur richtigen Dynamik. Ich hoffe, dass viele Leserinnen und Leser sich nach dem Anhören inspiriert fühlen, selbst in die Tasten oder Knöpfe zu greifen und so ihre Version von „August“ zum Klingen bringen.

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August

von Renate Jörg | akkordeon.online Gastkomposition, Oktober 2026

Noten zum Download

Weitere Informationen: www.renatejorg.com

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Renate Jörg

Foto: Monique Mol

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