Wie natürlich sich Musette-Ausdruck anfühlen kann, zeigt auch die Akkordeonistin Carmen Hey, die sich über Jahrzehnte einen eigenen Zugang zu diesem Stil erarbeitet hat. Bereits als Vierjährige erhielt sie ihr erstes Akkordeon, gefördert von ihrem Vater. Es folgten Wettbewerbsjahre im klassischen Fach sowie ein Studium in Hannover und Trossingen Parallel dazu entwickelte sich früh eine zweite Leidenschaft: die französische Musette und der Gypsy Swing. Da es kaum Noten gab, reiste die Akkordeonistin wiederholt nach Paris, durchstöberte Archive und lernte Stil-Ikonen wie Jo Privat, Marcel Azzola und Richard Galliano persönlich kennen. Viele Titel eignete sie sich nach Gehör an. Bis heute bewahrt sie originale Handschriften bedeutender Musette-Interpreten auf. Heute ist sie mit ihrem Ensemble Carmen Hey & Friends – Flair de Paris, Musette & Gypsy Swing auf vielen Bühnen zu erleben, begleitet von Gypsy-Gitarren und Kontrabass. Ihre Klangvorstellung beschreibt sie bildhaft als eine Dynamik, die auf- und absteigt wie Meereswellen. Es ist jenes Denken, das ihre Interpretationen zu echten Eigenkompositionen im Musette-Idiom werden lässt. 2022 wurde sie als Stipendiatin des GEMA-Förderprogramms ausgezeichnet. Neben Konzerten gibt sie regelmäßig Workshops zur Musette-Stilistik.

Zum Hintergrund des Stücks
Musette braucht vor allem Leichtigkeit – erzählte Kommunikation in Bildsprache, übertragen auf die eigene Spielfertigkeit und das Know-how der Balgführung. Bei Triolen mit Akzenten spielen und für Überraschungen sorgen – das bringt den französischen Touch hinein. Die Balgspannung sollte straight und dynamisch mit der Melodie auf- und absteigen. Mehr dazu in meinem Paris-Musette-Workshop, der ab Oktober hier erscheint und später noch andernorts online verfügbar sein wird.
Die Musikerin über ihre Idee:
Meine Komposition „Jolie Fleur“ ist meiner Mutter gewidmet – so, wie ich sie in meinem inneren Bild wahrnehme: mit all ihren Charaktereigenschaften, ihrer Fürsorge und ihrer Lebensweisheit. Entstanden ist das Stück aus einem Gefühl tiefer Dankbarkeit, sie trotz einer schweren Operation noch immer in meinem Leben zu haben. Der Stil Musette inspiriert mich dabei besonders, weil er so viele musikalische Facetten zulässt: eine große Palette technischer Stilmittel, die das musikalische Charakterbild unterstützt. Seine Ausdrucksstärke ist für mich eine natürliche, mit mir persönlich perfekt resonierende kreative Ausdrucksmöglichkeit, um schöne Melodien mit reichhaltigen Harmonien und interessanten Wendungen zu erschaffen. Die Aufnahme der Komposition entstand im Home-Studio mit MacBook und iRig-Interface, eingespielt mit dem eingebauten Harmonic-Mikrofonsystem – pro forma, zum Kennenlernen. Auf meiner nächsten CD wird der Titel von Gypsy-Gitarren begleitet und sich bis dahin sicherlich weiter verfeinern: in meiner individuellen Interpretation, meinem eigenen Ton und der Musette-Spielkunst. Möglich sind ein flotteres Tempo, eine andere Form, freie Improvisationsteile – man wird sehen.
Jolie Fleur
Weitere Informationen: www.carmenhey.info







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