amaryllis

o fiùro tos krifò (Liburia Records)

29. Juli 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

amaryllis – griechisch für “das Leuchtende“ – ist ein Duo, bestehend aus dem Akkordeonspieler Mattia Manco und dem auf allerlei Saiteninstrumenten brillierenden Samuel Mele. Die beiden haben sich der Musik von Grecia Salentina verschrieben, einer Region auf der Halbinsel Salento in Süditalien, genauer gesagt, im Absatz des Stiefels. Die Gegend wurde bereits in der Antike vom damals kulturell und wirtschaftlich dominierenden Griechenland besiedelt, und bis heute hat sich die Sprache Griko erhalten, eine Variante des Griechischen, angereichert durch italienischen Einfluss. Auch der Einfluss von Byzanz, der Hauptstadt des oströmischen Reiches (später Konstantinopel geheißen) macht sich bemerkbar, in der Sprache wie in der Musik. Dass das erste Stück dieses Albums fast sakral wirkt, wundert da nicht weiter. Aber nicht alles ist so feierlich. Bei „to traùdi tis scichì“ klingen, trotz des dramatischen Titels, heitere Einflüsse durch. Es hört sich teils geradezu irisch an, ein wenig wie ein Jig von Carolan. Die Komposition „mirodìa“ hebt ebenfalls munter an, zeigt dann aber eine leise Melancholie, die das ganze Werk durchzieht. „o fiùro tos krifò“ ist zwar überwiegend ein Instrumentalalbum, aber es wird auch gesungen. So etwa bei „anìo ti‘ kardìa“. Die wundervolle Sängerin Evgenia Toli, nur eine von mehreren überzeugenden Studiogästen, beginnt in tiefer Sehnsucht, dann legt sie voller Schwung los. Bei allem ist immer das Akkordeon präsent, und selbst, wenn es mehr im Hintergrund bleibt, wie bei „i tàlassa“, wo die Laute neben der Vokalistin sozusagen eine Hauptrolle spielt, dominiert es auf eine Art doch und verleiht der Musik einen ganz besonderen, mythischen und antik erscheinenden Klang. Manchmal, wie beim ersten Stück, das so wundersam sakral wirkt, mutet es ein wenig an wie eine weit gereiste Orgel. Wundervolle Musik und ein Grund, sich genauer mit Griko und der dazugehörigen Kultur zu befassen.

Gabriele Haefs

<em>o fiùro tos krifò </em> (Liburia Records)
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o fiùro tos krifò (Liburia Records)

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