Das Akkordeon hat eine romantische Seite. Wir haben uns herzerwärmende Songs aus den verschiedensten Stilen und Zeiten angehört.
Text: Christina M. Bauer, Fotos: Isa Mathessis, Severin Schweiger
Es ist wohl eines der weltweit berühmtesten Liebeslieder: „La vie en rose“ aus dem Jahr 1945, ist vor allem bekannt geworden durch die Interpretation der französischen Chansonsängerin Edith Piaf. Vorgetragen hat sie das Lied oft mit Streichorchestern, und das selbst in renommierten Konzertsälen wie der Carnegie Hall in New York. Komponiert hat es Louis Guglielmi alias Louiguy. Für den Komponisten und die Chansonnière ist es bis heute einer ihrer berühmtesten Songs. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler verschiedenster Stile haben ihn über die Jahrzehnte gecovert, von Popkünstlerin Zaz bis Jazzvokalistin Cyrille Aimée. Der französische Musiker Frédéric Foret spielte ihn 2007 für den Soundtrack zum gleichnamigen Film über die Chansonnière in einer Version für Akkordeon ein. Und noch ein Chanson wurde in einer entsprechenden Interpretation Teil dieser Filmmusik: „Hymne à l’amour“. Komponiert wurde das Lied von Marguerite Monnot im Jahr 1949. Die Lyrics beider weltbekannter Chansons hat Vokalistin Edith Piaf verfasst. Beide werden bis heute gerne als Version für Soloakkordeon interpretiert.
Der belgische Sänger Jacques Brel wurde ebenfalls für seine Chansons berühmt. Das bekannteste ist wohl das traurig gestimmte „Ne me quitte pas“ aus dem Jahr 1959. In Brels unzähligen Liedern ging es allerdings öfter um verschiedene Aspekte und Stimmungen der Liebe. Ebenfalls weltbekannt wurde etwa „La chanson des vieux amants“ von 1967, dessen Lyrics den Dialog eines alternden Paares über die Liebe und das gemeinsame Leben reflektieren. Beide Chansons komponierte und verfasste Brel großenteils selbst, wobei beim musikalischen Teil der französische Pianist Gérard Jouannest mitwirkte. Ein weiterer Klassiker ist das von Brel verfasste „Quand on n’a que l’amour“ aus dem Jahr 1956, einer seiner ersten Erfolge. Die Lieder wurden zur Zeit ihrer Entstehung oft von Orchester, Klavier oder Gitarre begleitet. Sie werden bis heute gern am Akkordeon interpretiert, als Soloversionen oder Begleitung.
Singer-Songwriter und Folk
Die mexikanische Singer-Songwriterin Julieta Venegas thematisiert in ihrer Musik sehr Unterschiedliches, und manchmal wird’s ganz romantisch. So zählt „Andar conmigo“ aus dem Jahr 2003 über den Anfang einer möglichen Romanze bis heute zu ihren bekanntesten Songs. Das Lied war für einen Latin Grammy nominiert als „Song des Jahres“. Für das gesamte damals erschienene Album „Sì“ erhielt Venegas 2004 die Auszeichnung für das „Beste Rock Solo Vocal Album“. Ihr Song „Limón y sal“ aus dem Jahr 2006 wiederum ist eine Liebeserklärung an den Partner mit seinen guten und weniger guten Seiten. Für das gleichnamige Album gab’s den Latin Grammy in der Kategorie „Bestes Alternatives Musikalbum“. Die Künstlerin bringt in ihrem auf inzwischen einem Dutzend Alben dokumentierten Repertoire auf ihre ganz eigene Art Einflüsse von Folklore bis Pop und Rock zusammen und spielt die Akkordeonparts im Ensemble selbst.
Die schwedische Akkordeonistin und Vokalistin Sunniva Brynnel spielt mit variierenden Ensembles ein Repertoire zwischen Folklore und improvisierter Musik. Da werden ab und an ganz romantische Akzente gesetzt, etwa mit dem „Brudmarsch efter kapten Lindholm“. Der traditionelle Hochzeitsmarsch stammt aus Bohuslän in Westschweden und wird dort oft gespielt. Eine ganz andere Art von Love Song kreierte wiederum die fränkische Band Kellerkommando 2019 anknüpfend an ein traditionelles deutsches Lied. Die Band um Akkordeonist und Sänger David Saam integriert zwar bei „Echte Liebe“ wie sonst auch munter Einflüsse von Volksmusik, Hip-Hop und elektronischer Musik. Mit der modernen Interpretation eines tragischen Liebesliedes samt Video im Kurzfilmstil zeigen sich die sonst mehr für krawallige, humorvolle bis derbe Songs bekannten Franken allerdings von einer erstaunlich gefühligen Seite.
Kammermusik, Jazz, Pop
Edward Elgar komponierte sein „Salut d’amour Op. 12“ 1888 ursprünglich für Violine und Klavier und widmete es seiner Verlobten. Die heute berühmte Komposition aus der Epoche der Romantik gibt es inzwischen in unzähligen variierenden Bearbeitungen. Gern wird sie am Akkordeon interpretiert. Franz Schuberts beliebte „Serenade“ entstand 1828 als Vertonung eines Gedichts von Ludwig Rellstab und wird bis heute gern vorgetragen. Das Stück heißt genau genommen „Leise flehen meine Lieder“ D. 957 Nr. 4 und stammt aus dem Zyklus „Schwanengesang“. Oft wird es in Programmen aber schlicht als „Serenade“ oder „Ständchen“ genannt. Meistens ist es als Lied mit Klavierbegleitung oder als Version für Soloklavier zu hören. Akkordeonisten interpretieren die Komposition aber ebenfalls gern.
Der Pionier des Jazzakkordeons Art Van Damme spielte in seinen Ensembles unzählige Jazzstandards und Songs des Great American Songbook. „Love walked in“ wurde 1930 von George Gershwin komponiert, die Lyrics verfasste sein Bruder Ira. Für dieses romantische Lied, das Jazzikonen wie Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan gern sangen, fand Van Damme gelungene Interpretationen und Improvisationen am Akkordeon. Zu seinem Repertoire zählten ebenfalls Cole Porters „Let’s fall in love“, Walter Gross‘ „Tenderly“ und viele mehr. Der weltberühmte Jazz- und Filmmusikakkordeonist Frank Marocco hat ebenfalls einigen von Liebe schwärmenden Standards gelungene Interpretationen und improvisierte Passagen am Akkordeon angedeihen lassen. So waren etwa Irving Berlins „Cheek to cheek“ und Harry Warrens „There will never be another you“ Teil seines enormen Repertoires.
Mancher romantische Popsong ist beliebt als Coverversion für Soloakkordeon. So etwa „Can’t help falling in love“ aus dem Jahr 1961. Gesungen hat ihn damals Elvis Presley, verfasst wurde er für ihn von den Songwritern Hugo Peretti, Luigi Creatore und George David Weiss. Elton Johns Song „Can you feel the love tonight“ aus dem Jahr 1994 war zunächst Teil des Soundtracks zum Zeichentrickfilm The Lion King. Das Lied heimste einen Oscar in der Kategorie „Best Original Song“ ein und gelangte alsbald fern der Leinwand auf die internationalen Konzertbühnen. Es gibt ein enormes Spektrum an Interpretationen beider Lieder in verschiedensten Ensembles. Am Akkordeon werden sie gern in variierenden Arrangements gecovert. Wer sich in den verschiedenen Zeiten und Stilen weiter umsieht, kann sicher noch eine Menge Herzerwärmendes entdecken, das sich fürs Akkordeon eignet.
Links zu ausgewählten Songs:
La vie en rose:
https://www.youtube.com/watch?v=rzeLynj1GYM
Hymne à l’amour:
https://www.youtube.com/watch?v=ttN6-NONLns
Quand on n’a que l’amour:
https://www.youtube.com/watch?v=06RJ45Yu8zE&list=RD06RJ45Yu8zE&start_radio=1
Andar conmigo:
https://www.youtube.com/watch?v=wtpTCWF2fjk
Limón y sal:
https://www.youtube.com/watch?v=eUv8vpqugOQ
Brudmarsch efter kapten Lindholm:
https://www.youtube.com/watch?v=xdBX7gJ9GmY
Echte Liebe:
https://www.youtube.com/watch?v=SEMvHW_xyHw&list=RDSEMvHW_xyHw&start_radio=1
Salut d’amour:
https://www.youtube.com/watch?v=3SHK8BqqjPs
Serenade:
https://www.youtube.com/watch?v=bUIQH9zRJfk&list=RDbUIQH9zRJfk&start_radio=1
Love walked in:
https://www.youtube.com/watch?v=xBi3PTcwaTw&list=PLPqPsAkWI7NZ4HA6f_TF_qBdM-SQCT_O-&index=5
Cheek to cheek:
https://www.youtube.com/watch?v=Gmg3VgM1GVQ&list=RDGmg3VgM1GVQ&start_radio=1
Can’t help falling in love:
https://www.youtube.com/watch?v=OyWjC1Y-hlc
Can you feel the love tonight:
https://www.youtube.com/watch?v=TBNozNhZigU

Christina M. Bauer | Redaktionsleiterin
Ich bin Redaktionsleiterin für die Jahresausgabe akkordeon magazin 2026 und akkordeon.online Als freiberufliche Musikjournalistin arbeite ich mit Verlagen, Zeitschriften, Zeitungen und Onlinemedien. (Foto: Fotostudio Belichtungswert)







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